
Hammerfest liegt tausend Kilometer nördlich des Polarkreises und war bis 1996 die nördlichste Stadt der Welt. Dann bekam Honningsvåg, das noch nördlicher liegt, das Stadtrecht. Doch auf Werbeprospekten wirbt Hammerfest immer noch mit »On Top of the World«, was niemand der Stadt abspricht.
Das moderne Aussehen der Stadt, die schon 1789 das Stadtrecht bekam, verdankt auch sie der Deutschen Wehrmacht und ihres Prinzips der »verbrannten Erde«. Das einzige Gebäude, das den Flammen der Deutschen widerstand und heute noch steht, ist die Grabkapelle.
Heute sind der Tourismus, die Fischerei, die Schifffahrt und die Erdgasförderung- und verarbeitung die Einnahmequellen der Stadt. Hammerfest hat die grösste Erdgasverflüssigungsanlage der Welt.
Doch nun genug der Infos zu der Stadt. Wir machen es wie immer und lassen uns von unserem Gefühl bei der Stadtentdeckung leiten. Halt, stimmt nicht ganz. Ich habe uns wie immer vorgängig im Reiseführer etwas schlau gemacht und weiss, in welche Richtung ich gehen möchte. Die Grabkappelle interessiert mich und die moderne Hammerfestkirche. Wir folgen der Hauptstrasse nahe des Hafens, kommen am »Wiederaufbaumuseum“ vorbei, das sich der Geschichte des zweiten Weltkrieges und des Wiederaufbaus widmet. In fast allen grösseren Orten in der Finnmark begegnet man solchen Museen. Erinnerung und Bewältigung der vielen grauenhaften Kriegsgeschehnissen.
Wir gehen um die Strassenbiegung und da erhebt sie sich weiss und erhaben in den strahlend blauen Himmel. Eine grosse Kirche aus Beton und in Dreiecksform. Sie beeindruckt durch ihre Schlichtheit und mit ihrem strahlenden Glasfenster im Chor. Ein Dreieck, dessen Schenkel acht Meter lang sind. Der Osloer Architekt Hans Magnus hat die Kirche erbaut, die 1961 geweiht wurde. Das Dreieck ist Leitmotiv der Kirche: Symbol der heiligen Dreifaltigkeit und der Bezug zu den traditionellen Gestellen zum Fischtrocknen, mit denen noch heute der Stockfisch hergestellt wird.
Die Aussicht von hier über den Fjord ist eindrücklich. Die rohe Natur mit ihren kargen Felsen und dem wenigen Grün vereint sich mit dem Blau des Wassers und des Himmels.
Dann besuchen wir die Grabkapelle. Eine Rampe für den Rollstuhl wäre da, doch wie so oft hier im Norden, ist die Kapelle verschlossen.
Der Friedhof beeindruckt mich, wie eigentlich alle Friedhöfe in Norwegen und in Schweden. Die Gräber liegen verstreut im Gelände, so als hätten die Verstorbenen und ihre Angehörigen die Wahl gehabt, wo sich ein Grab befinden soll. Auch hier gibt es sehr alte Gräber, sogar aus dem 18. Jahrhundert. In Skandinavien werden die Toten geehrt, ihre Gräber erhalten und immer wieder erneuert. Eine sehr berührende und verehrende Tradition.
Wir müssen uns von dieser Stadt wieder verabschieden. Der Rückweg führt uns noch über einen grossen Platz am Hafen, wo sich Touristen und vermutlich auch Einheimische tummeln. Es bleibt keine Zeit mehr, dies genauer herauszufinden, das Schiff legt bald ab.













































































































































































































































































































