On a rainy day in Vancouver

Unser letzter Tag in Vancouver. Der Vormittag kündet sich wolkenverhangen an. Für den Nachmittag sind starke Regenfälle vorhergesagt. Wir wollen Granville Island, ein Kultur- und Einkaufsviertel besuchen. Wenig Kultur, viel Einkauf.

Im Oktober letzten Jahres war nicht mehr viel los. Wir konnten damals nur unsere Nasen an den geschlossenen Türen platt drücken und versuchen, Einblicke zu erhaschen. Diesmal ist es offen, so dass wir Eindrücke gewinnen können. Die Einkaufshallen sind ordentlich gefüllt, aber man merkt gut, dass die Saison zu Ende geht. Nicht nur die Rabattschilder deuten darauf hin.

Das Wetter wird grusliger und wir sind froh, in die Markthallen eintauchen zu können. Während dem Trinken eines Kaffees lässt sich das Treiben beobachten. Hier eine Verkäuferin, die mangels Kundschaft gelangweilt im Internet surft, dort ein Stand mit frischen Salaten und Säften. Es sind Chinesinnen, die fleissig am Arbeiten sind. Kundschaft haben sie keine, aber sind dauernd beschäftigt. Schnell wird klar, warum sie so fleissig sind: Ein Etage höher ist ein als Mitarbeiterraum deklarierter Ort, von wo sie überwacht werden. Die „Überwacher“ wechseln sich fleissig ab. Während die chinesische Dame pünktlich wie eine Schweizer Uhr alle fünf Sekunden einen Kontrollblick über den Stand schweifen lässt, nehmen es die Herren nicht so genau. Einer zieht gleich sein Mittagsschläfchen ein.

Interessant ist auch das Beobachten der Marktbesucher. Die einen scheinen mit Freude dabei zu sein, andere wurden wohl mit mehr oder weniger Druck hierher gelotst. Gekauft wird nicht viel. Und wenn dann oft Lebensmittel, die sie schon kennen. Deutsche Touristen sind sofort erkennbar: ihre Blicke richten sie direkt auf Bier und Wurst.

Anyway, der Marktbesuch hat sich gelohnt. Erlebt haben wir viel und während des Marktbesuchs blieben wir trocken. Das änderte sich dann auf dem Weg zurück ins Hotel …

More to come – stay tuned!

Revelstoke? – Revelstoke!

Revelstoke, ein Dorf mit 7500 Einwohnern, knapp zweieinhalb Stunden von Banff in westlicher Richtung und entfernt. Revelstoke, ein Zwischenhalt, weil wir das Fuder „Autofahren“ nicht überladen wollten. Vera hat beim Recherchieren herausgefunden, dass Revelstoke ein Eisenbahnmuseum und eine knapp 30 Kilometer entfernt liegende Ghost Town hat. Auch preist die Homepage von Revelstoke ihre Downtown und ihre Freizeitmöglichkeiten an. So beschliessen wir, zwei Nächte in Revelstoke zu verbringen. Und ja, dann sind wir nach einer interessanten und abwechslungsreichen Fahrt über Lake Louise in Revelstoke gelandet. Einem Dorf, das man links liegen lassen würde, hätte man nicht ein Hotel gebucht …

Okay, Downtown Revelstoke kann man vergessen, wie wir am nächsten Tag sehen. Aber das Eisenbahnmuseum hat es in sich. Was dort gezeigt wird, ist Eisenbahngeschichte. Als British Columbia, die westlichste Provinz Kanadas, 1871 in die Konföderation aufgenommen werden sollte, versprach man, sie an die Eisenbahnlinie nach Osten anzubinden. Die grosse Herausforderung waren jedoch die Rocky Mountains.

Einen grossen Platz wird den chinesischen Arbeitern gewidmet. Sie wurden in San Francisco „eingekauft“ und nach Kanada geholt, um durch sie die schweren Arbeiten und die gefährlichen Sprengungen mit Dynamit erledigen zu lassen. Ihr Verdienst war halb so hoch, wie der der europäischen Immigranten. In Zelten mussten sie übernachten, wurden wegen Mangelernährung krank. Es ist nicht überliefert, wie viele Menschenleben der Bahnbau über die Rocky Mountains gekostet hat.

Wie bequem die Damen und Herren von Welt (und mit Geld) in der ersten Hälfte des 19 Jahrhunderts reisten, lässt einen staunen. Der Personenverkehr ist auf der transkontinentalen Route aber nebensächlich. Mit vielen Geschichten angereichert gibt die Ausstellung ein wertvollen Einblick in die Eisenbahnwelt Kanadas.

Auch aber nicht einzig ist die Eisenbahn präsent in der Three Valley Gap Ghost Town. Hotel, Werkstätten, verschiedene Läden, Bank, Gefängnis, Wahrsagerwagen und ein Haus der leichten Mädchen: auch das ist Revelstoke. Viele der Objekte waren bis vor wenige Jahrzehnte noch in Betrieb. Während die Apotheke und die Schneiderei einem ein Lächeln entlockt, der Coiffeurladen alte Erinnerungen weckt ist man spätestens beim Blick in die Zahnarztpraxis froh, leben wir im 2019 und nicht 50 Jahre früher.

Revelstoke war mehr als ein notwendiger Zwischenstopp. Auf dem Weg von den Rocky Mountains zum Pazifik ist der Besuch ein Muss.

More to come – stay tuned!

Rocky Mountaineer rocks!

Reisen im Rocky Mountaineer und mit dem Team ist ein grossartiges Erlebnis. Nochmals mit ihnen unterwegs zu sein, die absolut richtige Entscheidung. Die Zugsreise ist aus landschaftlicher, abwechslungsreicher und kulinarischer Sicht mehr als nur empfehlenswert. Die Fahrt mit dem Rocky Mountaineer ist nicht günstig, aber jeden CA$ (Canadian Dollar) wert. Was aber die guys leisten, dass auch ein stark eingeschränkter Rollstuhlfahrer zu einem einmaligen Erlebnis kommt, verdient meinen Respekt und meine grosse Dankbarkeit.

Die Reise mit dem Rocky Mountaineer habe ich ab Bahnstation Vancouver bis Bahnhof Jasper gebucht. Also ohne Übernachtung in Vancouver und Jasper (gegen Aufpreis möglich) und ohne Transfers von respektive zur Unterkunft. Trotzdem organisierten sie den Transfer in Vancouver in einem rollstuhlgängigen Van und in Jasper im Sightseeingbus mit Rollstuhllift.

Der Verlad in den Zug erfolgt mittels Hebebühne und mit dem Rollstuhl kann direkt neben den Sitz gefahren werden. Die Plätze sind zuhinterst im Waggon, nahe einer rollstuhlgängigen Toilette. Das Personal ist sehr aufmerksam und hilft, wo auch immer Hilfe benötigt wird. Sie tun alles für eine sorgenfreie Reise.

In Whistler stand das Taxi bereit. Während bei der Ankunft ein normales Taxi eingesetzt wurde, wartete am nächsten Morgen ein rollstuhlgängiges Fahrzeug vor dem Hotel. Die Unterkunft war ein Upgrade in die besser Klasse (Golden Leaf) ohne Zusatzkosten und durchgehend rollstuhlzugänglich (inklusive Dusche – genannt roll-in shower).

Das Hotel in Quesnel stellte sich als grosse, aber meisterbare Herausforderung heraus. Das Zimmer war gut zugänglich, das Bett auch. Dieses war aber mit einer geschätzten Breite von 140 cm für zwei Personen extrem schmal. Das Badezimmer war ebenfalls mit den Rollstuhl gut erreichbar. Für das Duschen in einer tiefen Badewanne stand ein guter Duschstuhl mit Transferfläche zur Verfügung, was die Nacht im engen Bett schnell vergessen liess. Das Personal war sehr bemüht um unser Wohlergehen und versicherte auf unsere Nachfrage, dass es in ganz Quesnel kein Hotelzimmer mit einer rollstuhlgängigen Dusche gäbe.

Pleiten, Pech und andere Mistgeschichten

Während die letzte Reise im Oktober 2018 teilweise dramatische Züge annahm, verläuft der diesjährige Trip ohne grosse Aufregungen und unplanmässige Änderungen. Also einfach so, wie man sich ein Nordamerika-Trip vorstellt. Um nun aber nicht nur die Reise zu beschreiben, sondern auch mehr oder weniger Lustiges erzählen zu können, bekommen kleine Alltagsvorfälle eine grössere Bedeutung.

Eine solche spielte sich am dritten Tag in San Francisco ab, als ich auf dem Duschstuhl sass und mich duschen wollte. Ich drehte an den Armaturen, wie ich es schon die zwei vorhergehenden Tage und schon so viele Male in den halben USA getan hatte. Aber diesmal wollte kein Tropfen die Brause verlassen. Ich drehte und hebelte, blieb aber vorsichtig. Amerikanische Installationen sind bei weitem nicht so stabil, wie wir es bei uns kennen. Als sich der Wasserlauf nach wie vor nicht starten liess, blieb mir nichts anderes übrig als der Deskmanagerin mein Problem zu erklären. Sie wiederum versuchte mir zu erklären, wie die Armaturen zu bedienen seien. Ich aber war schon genervt, dass ich viel körperliche Energie verschwenden musste. Und wir waren ja in Trumps Land mit „alternativen Fakten“. Es kam dann wenig später ein gut gelaunter Haustechniker, kaute seinen Kaugummi, drehte und zog an den zwei Reglern und das Wasser lief. Und das Wasser im Ablauf schwemmte meine „alternativen Fakten“ fort …

Der zweite Alltagsvorfall passierte in Jasper in einer Luxuslodge, wo Golfer, mehr oder weniger Reiche, solche die gerne mit ihren Taten prahlen, junge reiche asiatische Unternehmer und auch ein paar Verirrte, wie wir übernachten. Für eine Nacht in einem zweckmässigen aber einfachen Zimmer muss man einen knappen vierstelligen Betrag aufwerfen. Der Preis verschlägt einem fast die Sprache. Sprachlos ist man aber wegen der einmaligen Aussicht aus dem Fenster. Und so verdrängt man den Gedanken, dass man sich solche Nächtigungsstätten eigentlich nicht leisten sollte.

Also hier spielt die Musik des zweiten Stücks in respektieve unter der Dusche. Nach der schönen aber anstrengenden Zugsfahrt gönnten wir uns ein Ausschlafen und so waren wir schon in der zweiten Hälfte des Vormittags. Ich also unter der Dusche, Wasserhahn und Temperaturregler voll am Anschlag, freudig gespannt auf angenehm warmes Wasser. Aber das Wasser, das aus der Brause kam, hatte nur Körpertemperatur. Nach einem entspannten Duschen sah es nicht aus. Aber man ist ja hart im Nehmen und mit sich selbst. Augen zu und durch. Schliesslich wartete draussen angenehmstes Sommerwetter.

Der nächste Tag. Gleicher Ort, gleiche Situation. Aber das Wasser noch eine Spur kühler. Unangenehm. Es kann doch nicht sein, dass es in diesem Resort nur lauwarmes Wasser gibt. Gab es auch nicht! Wenn man die Armaturen richtig bedient, dann klappt es auch …

Die dritte Episode war in Whistler, Zwischenstation auf der Rocky Mountaineer Tour, wieder in einem sehr guten Hotel (gleiche Hotelkette wie in Jasper – Fairmont). Diesmal begann das Problem nicht erst im Bad, sondern schon vor der Zimmertür. Sie klemmte. Von aussen ins Zimmer ging mit einigem Kraftaufwand. Zweimal von innen öffnen ging auch. Aber am Morgen vor der Weiterreise war es das dann. Sie liess uns um 6.15 Uhr nicht mehr raus. Also Concierge anrufen, mitteilen, dass wir die Zimmertür nicht öffnen könnten, warten und dann durch die geschlossene Tür erklären, was eben nicht ging. Das Problem war für uns dann schnell gelöst …

Die Mistgeschichte war in San Francisco und ist schnell erzählt: Am Pier 37 flog eine grosse Möve. Shit happens! Mal bist du die Taube, mal das Denkmal …

More to come – stay tuned!

„Three days of summer in one week, wow!“

Der im Titel wiedergegebene Ausspruch eines Gärtners zu seinem Kollegen sagt eigentlich alles zu unserem Wetterglück. Immer wieder erfahren wir, dass sowohl der Winter (warm und nass) als auch der Sommer (viele Schlechtwetterphasen) im Westen Kanadas nicht angenehm waren. Wir haben bisher jeden Tag die Sonne gesehen und trocken sind wir auch geblieben. Der einzige Starkregen war im Zug schnell vorbei und absolut passend zum Namen der Zugtour „From Rainforest to Gold Rush“.

Und wenn sich die Sonne über den Wolken versteckt, dann ist es Zeit für Tee, Kaffee oder Shopping …

Mr. Ed oder die Tücken des Unterwegsseins mit Rollstuhl und Swiss-Trac (I)

Fluggesellschaften rechnen mit durchschnittlich 110 kg Gewicht pro Passagier. Also 80 kg Lebendgewicht und 30 kg Gepäck inklusive Handgepäck. Mit meinem Gewicht und dem Gepäck bin ich unter diesem theoretischen Limit. Aber da sind noch Mr. Ed mit 35 kg und der Swiss-Trac mit 65 kg. Mein Gesamtgewicht liegt folglich bei 210 kg.

Das Gewicht ist die eine Seite, die Dimensionen die andere. Auf der abenteuerlichen Kanada-Reise im Herbst letzten Jahres haben wir gelernt, dass die Vans vom Platz her gerade reichen für den Transport von Mr. Ed (der etwas länger ist als ein durchschnittlicher Rollstuhl) mit mir drin sitzend und dem quergestellten Swiss-Trac. In vielen Städten Kanadas sind die Vans innerhalb von 20 Minuten vor Ort.

Auch am Flughafen von San Francisco war das so, darum machte ich mir nicht weiter Gedanken zum Transport vom Hotel zum Flughafen. Am Vorabend unserer Weiterreise bat ich den Concierge, mir einen Rollstuhl-Van zu organisieren. Seine ersten Telefonanrufe bei den grossen Taxigesellschaften führten aber nicht zum Ergebnis eines gesicherten Transports. Er bat uns, am nächsten Tag um acht Uhr mit der Tagesconcierge zu schauen. Das führte nun nicht gerade zu einer freudigen Stimmung. Die Fahrzeit ist von unserem Hotel zum Flughafen SFO 45 Minuten. Der Check-in dauert mit den batteriebetriebenen Hilfsmitteln eh immer viel länger und die Personenkontrollen sind auch aufwendiger, da ich für diese nicht mehr aufstehen kann. Unser Flug ist für 13 Uhr geplant, so dass wir uns um 10 Uhr auf den Weg machen sollten.

Um halb neun Uhr bekamen wir Nachricht, dass ein privates Behindertentaxi verfügbar sei, aber erst um 10.30 Uhr. Mangels Alternativen entscheiden wir uns für diese und hofften, wir erreichten den Flughafen genug früh, damit wir uns nicht zu sehr beeilen müssten. Trotz langer Zollkontrolle (Sprengstoffspuren) erreichten wir unser Flugzeug noch rechtzeitig und zwei Stunden später landeten wir in Vancouver. Den Transfer vom Flughafen zum Hotel liess sich gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichen. Kannten wir bereits vom Oktober 2018.

Wie es uns von Vancouver nach Jasper ergangen ist, folgt in einem späteren Bericht.

More to come – stay tuned!

Sprengstoffspuren im Handgepäck!

Ich sitze fest. Die Akkus von Mr. Ed sind bereits flugtauglich verstaut und ich komme wegen des Teppichs im Flughafen San Francisco nicht mehr vorwärts. Aber ich darf auch nicht. Der Inhalt meines Handgepäcks – Medikamente, sanitarische Hilfsmittel, zwei Ladegeräte, Kabel, iPad, iPhone, noch mehr Kabel, Desinfektionsmittel, Handcrème und noch etliches mehr – liegt in vier Schalen verteilt vor drei Borderofficers und einem Explocive Specialist Officer. Der Sprengstoffspezialist hat etwas von Kojak, einfach mit normaler Brille anstelle Sonnenbrille und er lutscht nicht an einem Lollypop. Er kommt lächelnd zu mir und eröffnet mir den Grund der genauen Kontrolle: im Handgepäck seien Spuren von Sprengstoff gefunden worden. Genauer gesagt in einer Büchse mit Pulver, das ich für meine Darmregulation brauche. Klar, manchmal ist das Resultat der Darmregulation explosiv. Aber Sprengstoff? Dieser Stoff sprengt meine Vorstellungskraft, nicht aber meine Fantasie!

Heisst es nun gleich: Arme hinter den Rücken? Werden gleich die Handschellen klicken? Werde ich aus dem Rollstuhl gerissen, zu Boden geworfen? Spüre ich bald die Springerstiefel auf meinem Gesicht? Werde ich über meine Rechte aufgeklärt? Sitze ich bald im Gefängnis auf Alcatraz, wie es mein palästinensischer Rollstuhltaxifahrer mir am Morgen gesagt hat, nachdem ich ihm einiges über unseren Aufenthalt in San Francisco erzählt hatte?

Solche Gedanken kommen wohl, wenn man zu viele US-amerikanische Krimis geschaut hat. Denn weder hatten die Zollbeamten Springerstiefel an, noch waren sie streng dreinblickende Gestalten. Mir werden sie als freundliche, nette und zuvorkommende Menschen in Erinnerung bleiben.

Der Sprengstoffverdacht erhärtete sich nicht. Ich konnte gehen (schön wär‘s!). Ich hätte aber noch einen Wunsch fürs nächste Mal: Bitte Sachen wieder einräumen…

Nun wurde es hektisch. Aus dem Lautsprecher tönte es: Last call for Mr. Christopher Mutzner to gate 96!

Werden wir noch rechtzeitig das Flugzeug nach Vancouver erreichen?

More to come – stay tuned!

Mr. Ed und die Cable Cars

Die Cable Cars sind eine der wenigen Attraktionen, die für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich sind. Wohl würden mich die Gripmen (Cable Car Fahrer) ein- und wieder ausladen, aber ich fühle mich nicht mehr fit genug für eine Fahrt. Das ist weiter kein Problem, weil ich bereits 1998 in den Genuss einer Mitfahrt kam. Auch anlässlich meiner letzten Visite in der Golden Gate-Stadt vor fünf Jahren liess ich eine Fahrt aus, fuhr aber Teile der Linie Mason-Powell auf Mr. Ed. Wenn ich mir heute die Strecke mit ihrer Steilheit und den vielen Unebenheiten betrachte, dann staune ich, wie kräftig ich damals noch war. Ich erinnere mich, dass ich den Weg nur dank kräftiger Hilfe meines jüngeren Sohnes schaffte, aber trotzdem. Nun muss ich nicht einmal im entferntesten an so eine Idee denken. Sowohl Kraft als auch die dafür notwendige Beweglichkeit fehlen mir. Aber das macht nichts, denn mit meinem Swiss-Trac bin ich bestens ausgestattet. Dieser zieht Mr. Ed und mich – zwar nicht locker, dafür aber sicher und zuverlässig – die äusserst steile Hyde Street hinauf und bremst bergab auf der Powell Street so stark, dass Mr. Ed und vor allem mir ein Höllenritt erspart bleibt. Ein Swiss-Trac in San Francisco zu haben, ist ein Geschenk. Meine Bewunderung ist allen Rollstuhlfahrern sicher, die in dieser Stadt unterwegs sind. Und Rollstuhlfahrer gibt es hier viele.

Gegen den Cable Car, wo Vera mitfuhr, hatte ich keine Chance. Er war viel schneller am Endpunkt. Irgendwie muss er an den Ampeln mit einer Grünwelle bevorzugt worden sein…

Noch eine Bemerkung zum Wetter: die Sonne scheint und es wäre angenehm warm, bliese nicht ein starker Wind vom Pazifik her in die Bucht von San Francisco. Mark Twains Bemerkung zum Wetter kann ich nachvollziehen: Den kühlsten Winter erlebte ich in San Francisco im Sommer.

More to come – stay tuned!

Das „Stäbli-Zmorge“

Bis heute dachte ich, San Francisco zu kennen und der englischen Sprache mächtig zu sein. Auch sind mir Begriffe wie Tea House und Coffee Shop – ja, auch die in Amsterdam, wenn ich solche bis heute nie betreten habe – nicht fremd. Aber wer nicht die komplette Aufschrift unter dem Namen an der Hausfassade liest, die ausgehängten Speisekarten inklusive Bildern nicht anschaut und selbst beim Anblick asiatischen Interieurs nicht stutzig wird, der muss akzeptieren, dass er nicht bekommt, was er sich vorstellt.

Mir war heute nämlich nach einem richtigen amerikanischen Frühstück mit Rührei, Speck, Toastbrot und den typischen Süssigkeiten. Dazu Früchte, Orangensaft und einem dünnen Kaffee, den man aus alten Militärzeiten bestens kennt. Also, an klaren Vorstellungen mangelte es dem Schreibenden keineswegs. Aber der Bequemlichkeit des Rollstuhlfahrers, der gerne seine Freundin zur Klärung der Verhältnisse vorschickt, ist zu verdanken, dass anstelle von Messer, Gabel und Löffel zwei Essstäbli auf dem Tisch bereit lagen. Das Tea House entpuppte sich nämlich als chinesisches Restaurant, was auch zu erfahren gewesen wäre, hätte man sich darum gekümmert. Für einmal war nun nicht Reise-, sondern kulinarische Flexibilität gefragt. Und mit der richtigen Einstellung war das vermeintliche amerikanische Frühstück ein leckerer Lunch mit Poulet-Pilzbällchen mit unterschiedlich scharfen Saucen, ein Schüsselchen Gurken-Tomaten-Avocadosalat und vegetarische Frühlingsrollen. Es war fein, eine neue kulinarische Erfahrung und sorgte bei uns für heitere und zufriedene Momente.

Mr. Ed ist gut in San Francisco angekommen. Zielsicher steuert er die Attraktion an, umfährt dabei Schlaglöcher und sonstige Unebenheiten und behauptet sich resolut gegen die Menschenmassen aus der ganzen Welt. Fisherman’s Wharf war der perfekte Start. Und man kann sagen, wir sind angekommen.

More to come – stay tuned!

Mr. Ed geht wieder „on tour“

Am 12. Mai 2014 rollte Mr. Ed das erste Mal durch die Strassen von San Francisco auf den Spuren von Lt. Mike Stone (Karl Malden) und Insp. Steve Heller (Michael Douglas). Keinem Risiko ging er aus dem Weg und nutzte jede Hilfe.

Am 23. August 2019 wird Mr. Ed wieder in einer der schönsten Städte der Welt sein.

Die Reise:

Zürich – San Francisco – Vancouver – Whistler – Quesnel – Jasper – Banff – Revelstoke- Kamloops – Harrison Hot Spring – Vancouver – Zürich

Geschichten und Bilder ab 23. August 2019 hier im Blog von Mr. Ed.

Stay tuned!

Zusammenspiel

Christoph: Drei Wochen Kanada. Drei Wochen mit vielen Erlebnissen. Solche die man gerne hat und solche, die man gerne auslassen würde. Aber die positiven wie negativen gehören zum Leben. Die Frage am Schluss ist, wie man damit umgeht. Irgendwie geht es immer weiter. In unserer Reisezusammensetzung muss man eh gewappnet sein. Dass aber gleich so viele Ereignisse unsere Flexibilität fordern, damit haben wir nicht gerechnet.

Vera: Wie ich in meiner Mail mit der Einladung zum Mitreisen via Blog erwähnte, bin ich ja mit zwei Herren unterwegs. Jeder der Beiden bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit, die mich mal unterhalten, mal aber auch recht fordern. Das Blatt hat sich mit meinem Unfall ziemlich gewendet. Nun war ich nicht mehr die vollständig Einsetzbare, sondern zeitweise auch auf Hilfe angewiesen. Doch aufgeben war für mich keine Option und die beiden Herren bewiesen grosse Fähigkeiten, mit der neuen Situation umzugehen. Die neuen Umstände spornten unser Team an, und wir sind inzwischen Meister im Zusammenspiel bei Alltagsverrichtungen, Transfers in Taxis oder Züge, Stadterkundigungen und vielem mehr. Was das Schöne daran ist, es ist zwar alles aufwändiger (bis Christoph und ich am Morgen bereit sind, vergehen zwei Stunden) und anstrengender, aber wir erleben so viele komische Situationen, dass wir zwischendurch noch mehr Zeit verlieren mit über uns und die Situationskomik zu lachen.

Ich denke, die Umstände haben uns eine aussergewöhnliche und erlebnisreiche Reise beschert, die wir respektive ich nie so geplant hätte(n). Wir hätten Kilometer abgespult, hätten Tausende Autos gekreuzt. Aber hätten wir auch all die Kleinigkeiten entdeckt? Wäre unser Blick nicht ausschliesslich nach vorne gerichtet gewesen?

Da wir nicht wissen wie es andersrum gewesen hätte sein können, konzentriere ich mich auf das, was ist und war. Wir erlebten vieles erst dank meines Unfalls. Ein Pfleger in der Emergency in Victoria erzählte mir von seiner Grosstante in Schaffhausen. Dank Mr. Eds Notfall lernten wir tolle Menschen in Jasper kennen, die uns mit ihrer Herzlichkeit unvergessen bleiben werden. Eigentlich wandelte sich mein Unfall zum Glücksfall (abgesehen von den Schmerzen und der Umständlichkeit), und wir von Pechvögeln zu Glückspilzen.

Samstagmorgen, 27. Oktober 2018, 8:25 Uhr. Gemäss Flugplan wären wir seit einer halben Stunde in Zürich. Technische Probleme am Flugzeug haben den Abflug um eineinhalb Stunden verzögert. Die Verspätung hat aber auch etwas Positives: den Sonnenaufgang hoch über den Wolken. Ein Sonnenaufgang, der uns zeigt, die Erde dreht sich weiter, auch wenn man selber das Gefühl hat, sie stehe still.

Flugzeuge gehören nicht zu meinen bevorzugten Fortbewegungsmitteln. Doch konnte ich diesem Flug von Toronto zurück in die Schweiz etwas abgewinnen: den Mond und das Sternbild Orion in über 11’000 Metern über einem unendlich weiten Wolkenmeer scheinen zu sehen, ist ein besonderes Erlebnis. Und die aufgehende Sonne am Wolkenhorizont lässt mich einmal mehr über das Wunder Erde staunen. Ein neuer Teil dieser Erde durften wir, Christoph, Mr. Ed und ich, gemeinsam entdecken und uns an Vielem erfreuen und über Manches staunen. Dafür sind wir sehr dankbar und werden diese drei Wochen kanadisches Abenteuer nie vergessen.

Der tapfere Mr. Ed

Über zwei Wochen ist es her, dass Mr. Ed ein Häufchen Elend war. Seine Vorderbeine eingeknickt, die Hinterbeine im Elend. Niemand wusste, ob Mr. Ed wieder auf die Beine kommt und die Reise nach geändertem Plan weitergehen kann. Das Resultat ist bekannt: Mr. Ed wurde in Jasper von Jason und seinem Team verarztet. Dieser Notversorgung (vier Kabelbinder) hält immer noch. Die tragenden und wichtigen Teile waren nicht von einer Blessur betroffen. War erst geplant, in Calgary mit Mr. Ed eine Notfallstation (Rollstuhlhändler) aufzusuchen, musste diese Idee schnell verworfen werden. Das für die Reparatur notwendige Plastikteil gibt es nur in Europa, schliesslich sei Mr. Ed deutscher Herkunft, wie die Markenvertretung in Kanada mir mitteilte. Mr. Ed hielt sich auf den Beinen, solange er nicht zusammengefaltet wurde. Also schauten wir verbal und physisch gut zu ihm.

Mit jedem unternommenen Kilometer wuchs das Vertrauen in die Notversorgung. Sollte er also auch den Flug von Calgary nach Toronto gut überstehen, liesse sich die Reise sorglos weiterführen. Den Flug überstand er im ungefalteten Zustand gut. Inzwischen verlieren wir keine Gedanken mehr daran.

Mehr Sorgen machte ich mir über den Zustand der Reifen. Die Risse wurden und werden immer mehr. Klar, Reifen wären sicher einfacher zu finden als Rollstuhlteile. Fahrradgeschäfte gibt es und dort wären sicher geeignete Gummis zu finden. Eine kleine Recherche im Internet führte zu entsprechenden Auskünften. Zu lesen war da dann auch noch, die Reifen seien unplattbar. Lachte ich nun aus Erleichterung oder wegen des Ausdrucks unplattbar? Mr. Ed ist unplattbar und, so scheint es, unverwüstlich.

Überhaupt ist Mr. Ed ein Lastesel und Arbeitstier. Für unsere Rundfahrt Toronto – Kingston – Montreal – Ottawa – Toronto musste er neben dem Fahrer auch noch zwei schwere Rucksäcke transportieren. Unterstützung bekam er vom Swiss-Trac, der mit einem Koffer beladen war. Reduziert auf das Notwendige war das Gepäck so umfangreich und gewichtsmässig optimiert, dass die zwei Einarmigen gut reisen konnten, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Und es hat bestens geklappt.

Für Mr. Ed heisst es am Freitag noch einmal ab in den Flugzeugbauch. Und knapp acht Stunden später werden sie ihn uns in Zürich (hoffentlich ohne weitere Blessuren) wieder aushändigen. Die Geschichten mit und um Mr. Ed werden weitergehen. Es wird solche geben, die sich zu erzählen lohnen. Und es wird Geschichten geben, die wir für uns behalten. Und was für Mister Ed, das sprechende Pferd gilt, hat auch für Mr. Ed, den Rollstuhl Gültigkeit. Der Text des Titelsongs von Mister Ed sagt alles, was es zu sagen gibt:

A horse is a horse, of course, of course,
And no one can talk to a horse of course
That is, of course, unless the horse is the famous Mr. Ed.
Go right to the source and ask the horse
He’ll give you the answer that you’ll endorse.
He’s always on a steady course.
Talk to Mr. Ed.

(Ein Pferd ist natürlich ein Pferd,
Und niemand kann natürlich mit einem Pferd sprechen
Das ist natürlich, es sei denn, das Pferd ist der berühmte Mr. Ed.
Gehe direkt zur Quelle und frage das Pferd
Er wird dir die Antwort geben, die du unterstützen wirst.
Er ist immer auf einem konstanten Kurs.
Sprich mit Mr. Ed)

More to come- stay tuned!

Un conducteur rolli à Montréal

Bei meinen Überlegungen zum Titel kam mir sehr schnell das Lied An Englishman In New York von Sting in den Sinn. Das Lied beginnt mit der Aussage I’m an Alien (Ich bin ein Fremder). Fremd fühlte ich mich nicht als Ausländer, sondern als Rollstuhlfahrer. Den Zug von Kingston konnte ich schnell verlassen. Das Perron war auf die Höhe des Waggoneingangs gebaut (ca. 1,5 m über der Schiene) und in Montreals Untergrundbahnhof stand der Schweizer Konvoi bald in der Bahnhofshalle, bereit den Weg zum Hotel in Angriff zu nehmen. Die Angaben, welchen Ausgang man wo erreicht, sind gut sichtbar. Boulevard Robert Bourassa, Rue Belmont oder Rue de la Gauchetière heissen die Ausgänge und, so habe ich sie recherchiert, wären für uns gut, schnell das Hotel erreichen zu können.

Nur mit dem Schnell ist es so eine Sache. Ausgang Boulevard Robert Bourassa endet für einen Rollstuhlfahrer in einer Sackgasse: Rolltreppe respektive Treppe. Klar, es gibt Rollifahrer, die Rolltreppen nehmen und so Etagen überwinden. Wäre für mich das köperlich machbar (ist es nicht), käme es trotzdem nicht in Frage. Ich hätte Angst beim Aufwärtsfahren vor dem Rückwärtsfallen. Also machen wir uns auf, unser Glück beim Ausgang zur Rue Belmont zu versuchen. Das Resultat ist das gleiche. Das wiederholt sich auch für die Rue de la Gauchtière. Der Bahnhof spült uns nicht wieder an die Oberfläche. Sehnsucht nach dem Präriebahnhof Kingston kommt auf. Gedanken fliegen durch den Kopf und die Suche nach geeigneten Bänken als Schlafgelegenheit. Werden wir Montreal überhaupt einmal anschauen können, bevor unser Reise weiter nach Ottawa geht?

Montreals Bahnhof an einem Freitagabend um 21 Uhr ist fast ausgestorben. Vereinzelt sitzen noch Leute in den wenigen (etwa 15%) offenen Schnellimbissrestaurants. Die Schalter der Viarail sind längst geschlossen, die letzten Züge aus Ottawa und Toronto werden Montreal gegen 22 Uhr erreichen. Dann schliessen sie den Bahnhof und öffnen ihn erst wieder am Samstagmorgen. Schöne Aussichten! Irgendwann erblicken wir einen dunkelhäutigen Beamten, der bei einer Bahngesellschaft angestellt zu sein scheint, die für den Nahverkehr zuständig ist. Der rundliche Mann ist unsere Hoffnung. Vera versucht auf französisch ihm zu erklären, dass wir auf der Suche nach einem Lift seien und ob er uns weiterhelfen könne. Zuerst verstand er oder wollte er unser Französisch nicht verstehen. Als er bemerkte, dass wir beharrlich blieben, reagierte er auf unsere Frage. Seine Antwort war aber eine Enttäuschung: Nein, er wisse nicht ob und wo ein Lift wäre, er nähme IMMER die Treppe. Hatte ich seinen rundlichen Körper zu lange gemustert?

Weitersuchen war angesagt. Wir hatten das Gefühl, alle möglichen Ausgänge schon abgeklappert zu haben. Hinter keinem Restaurant, neben keinem Geschäft und in keiner dunklen Ecke liess sich eine Art von Aufzug finden, die auch nur annähernd rollstuhltauglich gewesen wäre. Was tun? Die Rolltreppe trotzdem nehmen?

Unsere (oder besser geschrieben meine) Rettung nahte von hinten. Ich vermute, der Sicherheitsmann hat uns Suchende länger beobachtet und sich uns dann doch noch erbarmt. Jedenfalls erklärte er uns ausführlich, es gäbe ausserhalb der Bürozeiten nur einen Lift, den man nehmen könne. Und ER wisse, wo der sei. Tatsächlich führte der Lift eine Etage höher und eine Hotelhalle durchquerend erreichten wir die Rue Belmont und eine halbe Stunde später waren wir in unserer Unterkunft.

In Montreal gibt es seit den 1960er Jahren die Undergroundcity. 30 Kilometer Gänge, Passagen und Wege, die die halbe Stadt unterqueren. Soll ich nun erzählen, wie lange wir einen Eingang suchten und was wir alles erlebten? Ich lasse es, weil der Beitrag viel zu ausführlich wird. Ebenso lasse ich meine Ausführungen zur Gastronomie in Montreal sausen. Das Suchen von rollstuhlgängigen Restaurants ist in Montreal wesentlich einfacher als das Finden. Ausgenommen, man gibt sich mit Fastfood zufrieden…

More to come – stay tuned!

Viarail Canada

Geprägt durch die Bahnen in der Schweiz, die mehr oder weniger pünktlich fahren, in die man als Fussgänger einfach und als Rollstuhlfahrer mit normalerweise einstündiger Voranmeldung einsteigen kann, gilt es dieses Denken in Kanada für Fernverbindungen zu entsorgen. Ohne Reservierung geht auch für Fussgänger nichts. Die Tarife sind unterschiedlich je nach Tageszeit und Auslastung. Während die Strecke von Toronto nach Kingston (260 km) für eine bezahlende, eine Begleitperson (gratis) inklusive Mahlzeit im Businessabteil 84 Franken (106 CA$) kostete, war die Fahrt von Kingston nach Montreal (190 km, Freitagabend) 192 Franken teuer. Die Reisen von Montreal nach Ottawa (200 km) und drei Tage später von Ottawa nach Toronto (460 km) belasten das Budget mit 344 Franken. Inbegriffen zwei Mahlzeiten und Rollstuhlverlad für 20 Franken. Spannend ist die Tatsache, dass der Begleiterausweis der SBB (in der Schweiz fahren Begleiter gratis mit) in Kanada genügte, von der Vergünstigung profitieren zu können.

Die Anzahl Verbindungen pro Tag und Strecke bewegt sich zwischen sieben und zehn. Die Länge der Züge ist mit ebensovielen Waggons bescheiden. Ganz im Gegensatz zu Güterzügen, die unglaubliche Längen (bis vier Kilometer) aufweisen und teilweise pro Wagen zwei Hochseecontainer gestapelt haben. Bahnfahrten in Kanada sind spannend und vor allem auch landschaftlich ein Erlebnis.

Der Service für Rollstuhlfahrer ist prima und grosszügig. Die Verlade funktionieren einwandfrei. Dass man sich als Schweizer Rollstuhlfahrer selbst auf dem Präriebahnhof von Kingston zuhause fühlt, hat aber auch mit der Seilbahnbaufirma Garaventa zu tun. Die Treppenlifte für Rollstuhlfahrer sind schweizerischen Ursprungs. Einzig der Eurokey (Schlüssel für Behindertenlifte und -toiletten) passte nicht.

Rückflug wird grösste Herausforderung

Unsere ursprünglich geplante Kanada-Reise sollte uns von Vancouver am Pazifik nach Halifax am Atlantik führen. Quer durch Kanada mit dem Zug. Entsprechende Angebote prüften wir. Sehr schnell zeigte sich aber, dass diese Strecke für einen Rollstuhlfahrer im Zug (fast) nicht machbar ist. Von Jasper bis Toronto wäre ich drei Tage und Nächte am Stück in die Schlafkabine verbannt gewesen. Wie man bei dem Geruckel und den Schlägen auf der Strecke hätte schlafen sollen, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Da die ganze Durchquerung Kanadas im Zug ausser Rang und Traktanden fiel, kamen verschiedene Transportmittel zur Diskussion. Zug, Auto, Flugzeug, Auto.

Vancouver als Ausgangspunkt und Halifax als Zielort waren gesetzt. Im April wurden die Flüge von Zürich nonstop nach Vancouver und Halifax via Toronto bei Swiss gebucht. Die Durchführung der Flüge sollte durch Air Canada erfolgen. Anfang Juni erfolgte die Reservierung des Zuges von Vancouver nach Jasper. Im September standen die Hotels in Vancouver, Victoria und Jasper fest. Das Auto in Jasper war gemietet und der Flug von Calgary nach Toronto gebucht. Um die restlichen Hotels und das Auto in Toronto wollten wir uns nach Ankunft in Kanada kümmern. Wie bekannt, kam es anders. Vorausplanen wurde schwieriger, mangels (Auto-) Flexibilität verringerte sich die Auswahl für Rollstuhlfahrer geeigneter Unterkünfte massiv. Und je östlicher uns unsere Reise führte, desto schwieriger wurde es. Okay, Zimmer für 1’000 Franken die Nacht wären verfügbar gewesen. Aber damit wäre das Reisebudget massivst überschritten worden.

Heute, auf der Zugfahrt von Kingston nach Montreal steht der Rest unserer Reise. Drei Nächte werden wir in Montreal verbringen, gefolgt von drei Übernachtungen in Ottawa und einer Übernachtung nochmals in Toronto. Gereist wird mit der Bahn. Soweit alles klar und ohne absehbare Probleme.

Eigentlich. Wäre da nur nicht noch der nicht benötigte Flug von Halifax nach Toronto. Die Buchung lautet Halifax via Toronto nach Zürich. In beiden Flugzeugen haben wir unsere Plätze. Kein Grund für Aufregung. Aber da macht man die Rechnung ohne den Wirt, respektive ohne die Fluggesellschaften. Wird ein Zubringerflug nicht angetreten, verfällt der Anspruch auf den Folgeflug. Die Airlines nennen das „no show“. Damit nun der Hauptflug gültig bleibt, habe ich der Swiss eine E-Mail mit unserem Anliegen geschrieben. Fünf (!) Tage später folgt eine Antwort, man solle sich mit den Kollegen in Kanada in Verbindung setzen. Also rufe ich die mitgeteilte Nummer an. Der Kanadier versteht unser Anliegen nicht, ebensowenig die Buchungsreferenz TLERM7. Ich soll es buchstabieren. T wie Toronto, L wie London, E wie Edmonton. Er versteht immer noch nicht. Knapp erinnere ich mich ans Fliegeralphabet: Tango-Lima-Echo-Romeo-Mike-Seven. Nun hat er verstanden und sagt: Das ist ein von Air Canada durchgeführter Flug, dafür sind wir nicht zuständig. Bevor ich etwas sagen kann, hat er mich aus der Leitung geworfen…

Und so bleibt die Frage offen, ob wir am 27. Oktober wieder in der Schweiz landen werden, ohne einen neuen (teuren) Flug buchen zu müssen. Wir hätten dann vier Plätze im Flieger. Bekämen wir dann auch viermal die Verpflegung?

More to come – stay tuned!

Slapstick

Wikipedia schreibt: Charakteristisch für den Slapstick sind körperbezogene, wortlose, visuelle Formen der Komik. Und komisch ist es für Personen um uns herum alleweil, wenn wir uns gegenseitig helfen (müssen). Vor einigen Jahren habe ich in einem Artikel über ein Eishockeyspiel geschrieben: Man hätte das Gefühl bekommen können, auf dem Eisfeld seien sich Lahme und Blinde gegenüber gestanden. Auf unsere Situation übertragen heisst das: Eine auf einen funktionierenden Arm Reduzierte (ist das ein moralisch-ethisch vertretbarer Ausdruck?) ist mit einem teillahmen Rollstuhlfahrer unterwegs. Das noch in einem fremden, aber gastfreundlichen Land und in Ermangelung an zum Autofahren notwendiger Hände auf den öffentlichen Verkehr angewiesen (uiiih, die Formulierungen werden komplizierter, doch das passt zu unserer Situation!).

Es gäbe für jeden Tag unzählige Slapstick-Momente zu erzählen. Ich will mich aber an dieser Stelle auf zwei beschränken. Die erste spielt in einem Restaurant. Nach Tagen mit Pouletstückchen mit Gemüse und Reis (alles in mundgerechter Grösse), Fisch und Kartoffelstock (eigentlich eine unmögliche Kombination für Feinschmecker) und Pasta-Essen (auch gut mit nur Gabel essbar) ist uns wieder einmal nach einem grossen, feinen Stück Rindfleisch (ein Stück Fleisch und nicht gehackt). Die Herausforderung beginnt schon bei der Platzwahl am Tisch. Gegenüber geht nur, wenn der Tisch nicht zu gross ist. Nebeneinander ist besser, bedingt aber, dass die zwei funktionierenden Hände in der Mitte sind. Also: Frau mit gesundem linken Arm rechts (für Gabel), Mann mit gesunder rechter Hand links (für Messer). Weil wenn anders, dann Fleisch zu klein oder Distanz zwischen Messer und Gabel zu gross.

Zweites Beispiel: Schnürschuhe binden. Ich habe schon länger auf schnürsenkellose umgestellt. Vera logischerweise nicht. Wobei sie vielleicht trotzdem das in Erwägung hätte ziehen können. Nach Murphys Gesetz löst sich ein Schuhbändel nicht im Hotelzimmer, sondern mitten auf einem belebten Weg. Um die Situation nachzuerleben, braucht es nicht viel: Probieren Sie einmal mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin gemeinsam einen Knopf zu machen. Noch Fragen?

Aber wir lernen schnell. Und wir sind trotz des Unglücks glücklich. Es hätte schlimmer kommen können. Dann nämlich, wenn die gleichen Seiten betroffen wären. Vorzugsweise die rechte. Warum die rechte? Klar doch, wir sind Rechtshänder. Die obigen Szenen wären dann nicht mehr komisch, sondern tragisch komisch…

More to come – stay tuned!

Zwischen Faszination und Wahnsinn

Mr. Ed braucht nicht mehr vorgestellt zu werden. Seit Jahren leistet er gute Dienste, ist ein treuer Weggefährte und sorgt mit seinen Geschichten für aufheiternde Momente und vielfältige Reaktionen rund um die (halbe) Welt.

Mit auf der Reise ist aber auch noch ein Swiss-Trac, ein Rollstuhlzuggerät. Der Swiss-Trac überwindet mit einer maximalen Geschwindigkeit von 6 km/h Stock und Stein. Oder er dient als Zuggerät für Rollstuhl, Fahrer und viel Gepäck (Bild nach Ankunft in Toronto).

Was muss man noch wissen? Ach ja, das minimale Gewicht von 143 lbs resp. 65 kg. Während in Zürich die Aufgabe für den Flug nach Vancouver kein Problem war, sorgte das Schweizer Produkt am Flughafen Calgary für etwelches Stirnrunzeln, unzählige Telefonaten mit mehr oder minder befugten und kompetenten Sicherheitsleuten und Managern. Irgendwann ist die Aufgabe geschafft. Während des Fluges zur untergehenden Sonne denke ich einen Moment an mein Material und hoffe, der lädierte Mr. Ed, der Swiss-Trac und zwei Koffer sind ebenfalls mit uns an Bord. Wie das Bild beweist, war dem so.

Obwohl das Hotel in Toronto nur 850m vom Terminal entfernt ist, benötigten wir ein Rollstuhltaxi. Solche gibt es in der grössten Stadt Kanadas viele und sie sind sehr geräumig. Wenn aber jeweils die Taxifahrer das Gefährt sehen, treibt es ihnen den Schweiss ins Gesicht. Ihre Augen sagen alles: What the hell is this?! Je ferner und südlicher die Heimat desto grösser werden die Augen. In Calgary schaute der kleingewachsene Taxifahrer, dass die Distanz zum Swiss-Trac genug Platz für eine Flucht übrig liess. In Toronto versuchten sie beim Verlad ihr Regime durchzusetzen, kapitulierten nach kürzerer oder längerer Zeit. Die Transfers klappten am Schluss jeweils, obwohl sie sämtliche Sicherheitsvorschriften ausser Acht lassen mussten und der Rolli-Fahrer rückwärts mitfahren durfte.

Hey man, you are a trendsetter! What a cute machine! You must do business in Canada! Das waren drei von unzähligen Reaktionen im Eishockeystadion der Toronto Maple Leafs. Wenn die Leute dann noch erfahren, dass sich das Zuggerät ganz einfach vom Rollstuhl trennen lässt, fallen sie fast vom Stuhl, sofern sie auch wirklich auf einem sitzen. Es ist so simpel, mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Ein Zuggerät, ein Rollstuhl und ein ein wenig verrückter Rolli-Fahrer genügen.

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Mr. Ed am Ende (Part III)

Froh darüber, dass unser Hab und Gut immer noch im Zimmer ist, stehen wir nach kurzer Nacht mit einem hohen Erschöpfungsgrad auf. Am vorherigen Abend erschien uns das Zimmer klein. Über Nacht muss es geschrumpft sein. Zwei Rollstühle, drei Reisekoffer, drei Rucksäcke und zwei nur halb einsatzfähige Personen kämpfen um jeden Zentimeter im Zimmer. Einen Koffer voll zu öffnen, ist unmöglich. So unmöglich wie das Licht der altertümlichen Lampen. Farbe des T-Shirts? Dunkel! Im Zug stellt sich heraus, es ist rot.

Nun aber wieder zu Mr. Ed. Er und zwei Reisekoffer bleiben im Zimmer und werden später abgeholt und nach Jasper transportiert. Wir hoffen, sie werden Mr. Ed mit der ihm zustehenden Sorgfalt behandeln. Nach der gestrigen Erfahrung sind wir uns aber diesbezüglich nicht sicher. Während der Zugsfahrt laufen die Drähte, respektive in unserer modernen Zeit die Funkverbindungen zwischen dem Zug und der Zentrale in Vancouver heiss. Immer wieder wird uns das Bedauern über die Situation versichert. Laufend informieren sie uns über den Stand ihrer Bemühungen.

Gegen halb sechs Uhr erreichen wir den Bahnhof Jasper. Kurz vorher wird uns der Bordmechaniker Jason vorgestellt, der sich um die Reparatur von Mr. Ed kümmern wird. Er strahlt eine solche Zuversicht aus, dass wir uns sicher sind, dass er es schaffen wird. Kaum in der Bahnhofshalle angekommen, kümmern sich unzählige Leute um uns und Jason nimmt sich sofort Mr. Ed vor. Sein Strahlen verliert er auch beim Anblick des Häufchen Elends Mr. Ed nicht.

Elsa (jung und hübsch), Mary (70, welt-, lebens- und reiseerfahren), Jack (wahrscheinlich nur unwesentlich jünger als das 1925 erbaute Bahnhofsgebäude) und Tim, ein Mitvierziger mit einem stets lächelnden Gesichtsausdruck. Mit Tim werden wir noch viel lachen können. Als ich ihm sage, dass mein Rollstuhl Mr. Ed heisse, erinnert er sich sofort an die Fernsehsendung Mr. Ed und singt uns die Titelmelodie vor. Dann werden seine Augen gross und er ist verwundert, dass ich als Europäer die Sendung kenne. Jedenfalls fällt ein Spruch nach dem anderen. Gegenseitig treiben wir uns von einem Lachen zum nächsten.

Während wir uns amüsieren, arbeiten inzwischen fünf Leute an der Lösung unseres kleinen grossen Problems. Mal beugen sich vier Leute über Mr. Ed, Jason liegt unter ihm. Und Jason versichert uns, dass er keine Angst vor Pferden hätte. Ersatzteile werden auf dem ganzen Bahnhof gesucht. Und wären solche am Zug zu finden gewesen, sie hätten sie wohl abgeschraubt. Nach einer Stunde ist es dann soweit: Sitzprobe auf Mr. Ed. Und sie ist erfolgreich. Alle strahlen um die Wette. Mr. Ed ist nicht am Ende. Provisorisch geflickt, aber funktionstüchtig. Die Reise kann weitergehen mit einem gebrochenen rechten Arm, einem gelähmten linken Arm und einem lädierten Mr. Ed.

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Mr. Ed am Ende (Part II)

20 Minuten nach dem Gespräch mit Rob klopft es an der Tür und vor ihr steht eine ältere Frau (mit einem einfachen wackligen Ersatrollstuhl), die wir in den Mitsiebzigern schätzen. Vera und ich schauen uns mit langen Gesichtern an. Die Länge dieser wächst noch an, als wir wiederum ihr Gesicht sehen, das innert Sekunden eine Verzehnfachung ihrer Altersfalten erfährt. Was sie denkt, äussert sie nicht. Ist es die Unordnung, die ihr die Sprache verschlagen hat? Oder der daliegende Rollstuhl, für den sie im Moment keine Lösung sieht? War ihre Stirn bis zu diesem Zeitpunkt noch faltenfrei, änderte das mit dem Anblick von Veras eingegipstem Arm.

Es war wieder einer dieser Momente, der förmlich nach einer Auflockerung schrie: Don’t worry, be happy. Ich erklärte ihr, dass wir es ja gut hätten: Mit je einer linken und einer rechten Hand liesse sich Fleisch schneiden, applaudieren. Sie dreht ihr Gesicht ab, damit wir nicht sehen, dass sie ihr Lachen unterdrücken muss. Aber nach meinem Einschub, dass shit happens und man entweder die Taube oder das Denkmal sei, prustet sie los. I’m so sorry, but it’s so funny. Tränen steigen ihr in die Augen auf, sie kriegt sich fast nicht mehr ein. Was will man auch anderes tun, als über die Situation zu lachen. Zwei Einarmige auf dem Weg durch Kanada.

Nachdem sie den Schaden aufgenommen und mit Carolyn telefoniert hat, verabschiedet sie sich mit dem Versprechen, bei jedem Denkmal an uns zu denken.

Mr. Ed steht wie ein Häufchen Elend im kleinen Zimmer. Nach diesen Tagen kann es nur noch der Galgenhumor sein, der uns nicht unser ganzes Hab und Gut aus dem Fenster werfen lässt. Und wenn es nicht der Galgenhumor ist, dann ist es der Tatsache geschuldet, dass es mit nur je einer linken und einer rechten Hand wohl nicht zu schaffen gewesen wäre…

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Mr. Ed am Ende (Part I)

Obwohl ich vor der Kanada-Reise zehn Kilo abgenommen habe, scheint es Mr. Ed zu viel Gewicht zum Bewegen gewesen zu sein. Jedenfalls kapitulierte er, sackte in die Knie und liess sich auch mit gutem Zureden nicht mehr dazu bewegen aufzustehen und mich zu unterstützen. Nach einer Inspektion meinerseits war klar, dass wir nun einen weiteren Patienten haben. Verbindungsstreben sind gebrochen. Ein Fortkommen undenkbar. Er wurde zusammen mit dem Gepäck auf einem Lastwagen von Vancouver zum Übernachtungsort Kamloops transportiert. Die kanadische Wildnis, die Wetterbedingungen oder sein Verdruss, nicht mit uns reisen zu dürfen, scheinen ihn im wahrsten Sinn des Wortes verletzt zu haben.

Die Situation wurde nicht einfacher, waren wir doch dem Namen nach (The Plaza) an einer guten Adresse einquartiert. Es ist das älteste Hotel in der Stadt mit einer eindrucksvollen Geschichte, wenn man den Anschlägen im antiquierten Lift glauben will. Und man kann fast behaupten, es ist noch im Zustand seiner Erbauung. Schöne Wasserhähne mochten die Stimmung nicht wirklich zu verbessern. Dass es im Zimmer geisterte (Licht stellte ab und an), passte zum Ambiente. Wahrlich kein gastfreundlicher Ort.

Und dann auch noch das kleine Problem mit Mr. Ed. Dass er mit nicht mehr zu Diensten stand, zeigte eindrücklich meine Abhängigkeit auf. Er fehlte zum einen als sichere Fläche zum Absitzen, als Halt, wenn’s um ein paar Schritte zu Fuss machen zu können geht. Und vor allem fehlte seine Motorkraft, um vorwärts zu kommen. Der von der Reisegesellschaft organisierte Ersatzrollstuhl mag für ein Alters- und Pflegeheim gut sein. Aber soweit bin ich noch nicht und hoffe, es lange noch nicht zu sein.

Im Moment ist nicht ganz klar, wie die Reise weitergehen soll. Nach Telefonaten mit Carolyn vor Ort, Manager Rob von der Rocky Mountaineer-Zentrale in Vancouver entscheiden wir, mit dem Zug die Reise nach Jasper weiterzumachen. Und nach den verschiedenen Gesprächen bekommen wir das Gefühl, die Kanadier werden für Mr. Ed und uns eine gute Lösung finden.

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