Nachts bei unserer Ankunft ist nichts von dieser charmanten Stadt zu sehen. Doch sind wir hingerissen vom Taxifahrer, der völlig unbeschwert morgens um halb eins unseren riesigen Gepäckberg und Christoph samt Rollstuhl in seinem Minibus verstaut und uns sicher zu unserem Hotel bringt.
Bergen gilt als Königin der Fjorde und ist die Stadt mit der höchsten jährlichen Regenmenge in Norwegen. Sie macht am nächsten Tag ihrem Ruf alle Ehre. Unser Trio, Christoph, sein Rollstuhl, der aus Schweden stammt, und ich, lässt sich aber nicht davon abhalten, die Stadt zu entdecken. Unser Ziel ist der Hafen, dessen Ursprung auf das Jahr 1070 zurückgeht, als der norwegische König Olaf Kyrre beschloss, auf dem natürlichen Hafen eine erste Hafenanlage bauen zu lassen. Im 12. Jahrhundert wurde dieser Hafen zum wichtigsten Umschlagplatz für Waren aus der ganzen Welt. Die alten Holzhäuser im Quartier Brygge wurden nach Bränden um 1702 und 1955 völlig vernichtet. Es erfolgte ein Wiederaufbau und heute sind da mehrere Museen, die deutsche Kirche, Souvenirläden und Bars untergebracht. Auf dem Weg dahin passieren wir schmale und vor allem steile Gassen mit gelben, weissen oder grauen Holzhäusern, die mich an Schweden erinnern, aber doch in einem etwas anderen Stil gebaut sind. Auf Umwegen, die sich durchaus lohnen, erreichen wir unser Ziel. Tropfnass, aber vergnügt.
Nach einigem Umschauen dringt bluesiger Rock an mein Ohr. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Lokal als Bar mit Verpflegung, und als ich Fish and Chips auf der Karte entdecke, ist die Wahl getroffen. Wir essen draussen unter dem Vordach, vor dem Regen geschützt und von einer Infrarotlampe mit Wärme beschenkt. Dass wir bei diesem Wetter draussen essen wollen, erzeugt einiges Erstaunen beim Servierpersonal, doch begreifen die Norweger schnell, als sie Christophs Gefährte sehen.
Nach dem Essen schlendern wir über den Foodmarket, der vermutlich eigens für die mehreren tausend Kreuzfahrtgäste eingerichtet wurde. Da wir immer noch feucht und langsam müde sind, machen wir uns auf den Weg zum Hurtigruten-Terminal. Wir checken ein, lassen einen Informationsfilm zur Evakuierung des Schiffes über uns ergehen. Dann sind wir endlich auf dem Schiff und geniessen einen Prosecco, um die Ausfahrt aus Bergen zu feiern.