Weihnachten in Honningsvåg

Honningsvåg war auch Opfer des Zweiten Weltkriegs. Ausser der Kirche, wurden alle Häuser von der Deutschen Wehrmacht abgebrannt. Deshalb sind die alten Häuser im Stil der Nachkriegsarchitektur gebaut.

Als erstes fällt mir der Hafen voller Schiffe auf. Honningsvåg ist die bedeutendste Fischereisiedlung der westlichen Finnmark. Dies sieht man einerseits an den vielen deutlich erkennbaren Fischerbooten, andererseits an den zahlreichen Werftbetrieben und Fischverarbeitungsfabriken.

Auf dem Weg ins Dorf kommen wir am Nordkapmuseum vorbei, das über die Geschichte und die regionale Küstenkultur informiert. Wir lassen es rechts liegen und spazieren weiter.

Ich frage mich sehr bald, wie Menschen hier in dieser kargen Landschaft leben können, im nördlichsten Dorf Norwegens, das mit Strassen erschlossen ist. Jetzt scheint die Sonne und die farbigen Schiffe und die bunten Häuserzeilen leuchten und hinterlassen einen frohen Eindruck. Doch wie dunkel und einsam muss es hier im Winter sein, ohne Sonne und bitter kalt?

Die Menschen, denen wir begegnen, sind freundlich und wirken aufgeschlossen. Ein Plakat lässt mich stutzig werden: hier werden im Sommer mehrere Musikfestivals, kulturelle Produktionen, Ausstellungen und ein Sommermusical durchgeführt. Nichts von gedrückter Stimmung! Dieses Dorf hat ein reiches Leben und im Sommer herrscht hier sicher ein buntes Treiben.

Meinen ersten Eindruck kann ich gleich über den Haufen schmeissen. Hier lässt es sich offensichtlich gut leben.

Auf dem Rückweg zum Schiff sehe ich von Weitem ein Haus mit weihnachtlichen Plakaten: «Artico Christmas House». Da treibt mich meine Neugierde hin. Auf 400 m2 warten hier Weihnachtsartikel so weit das Auge reicht. Hier findet man einfach alles: Weihnachtszwerge, Weihnachtsrentiere, Weihnachtskugeln, Weihnachtsservietten, Baumschmuck, Textilien usw. usw. Weihnachten Mitte September!

Da wird mir ein weiterer Aspekt der Hurtigruten-Schiffe bewusst: Touristen kommen dank der Schiffe hierhin, kaufen Weihnachtsartikel, besuchen das Museum, nehmen im Sommer an den Festivals teil und im Winter buchen sie Schlittenfahrten und wollen die Polarlichter sehen.