Einige Zeit, bevor ich auf die Reise mit Hurtigruten ging, sah ich mir einen Dokumentarfilm über die Reise an. Und da habe ich gesehen, dass sie jeweils die Schiffsflagge für ihre Foundation versteigern. Für mich war ab dem Moment klar, dass diese Fahne, egal wie, am Schluss mit mir die Heimreise antritt.
Und am zehnten Tag war es dann endlich so weit. Die Versteigerung von einer Schiffskarte und einem Kunstgegenstand waren angesagt. Aber nirgends stand, dass die Flagge auch versteigert wird. Eine kleine Enttäuschung stieg in mir auf. Am elften Tag dann aber sah ich eine noch bügelfrische Flagge auf dem Tisch liegen. Und sie war tatsächlich in einer stillen Auktion zu ersteigern. Klar, dass ich da mitmachen musste.
Noch vor dem Frühstück gingen wir uns den Zettel anschauen. 800 norwegische Kronen (NOK) waren das Mindestgebot, also rund 68 Franken. Darunter stand schon jemand, der 1500 NOK geboten hatte.
Nach dem Frühstück musste ich natürlich schon wieder schauen gehen, wie hoch der Preis inzwischen war. Nun waren sie bei 2500 NOK. Ich bat Vera, den Betrag auf 3000 NOK zu erhöhen.
Danach ging es auf einen Landausflug. Gedanklich war ich aber immer wieder bei der Steigerung, weil ich die Schiffsflagge während der ganzen Reise immer wieder gesehen und mir gesagt hatte: Am Schluss gehört sie mir. Ich war gespannt, wie hoch ich am Schluss bieten muss, damit sie wirklich mir gehören konnte.
Nachdem wir von unserem Landausflug zurückgekehrt waren, war der Preis inzwischen bei 4000 NOK. Klar, dass ich weitere 1000 NOK darauflegte.
Vom Chef des Expeditionsteams erfuhr Vera, dass zwei Jungs die Fahne unbedingt haben wollten. Und tatsächlich, nach dem Abendessen war der Preis inzwischen auf 6000 NOK gestiegen.
Ich setzte den Betrag von 7000 NOK aufs Spiel und fragte mich, wie hoch sie am Schluss gehen würden. Um Viertel nach neun, also eine Viertelstunde vor Ende der Auktion, ging ich dann in den Auktions- respektive in den Shop-Raum. 7100 NOK standen nun auf dem Blatt. Ich erhöhte auf 8000 NOK und sah, wie einer der Jungs dann vorbeischaute, um zu sehen, welcher Betrag nun eingesetzt worden war. Sie berieten sich vor dem Shop noch einmal lange, und drei Minuten vor halb zehn setzten sie 8100 NOK ein. Nun war es an der Zeit, mein wahres Gesicht zu zeigen, und ich bat Vera, 10 000 NOK einzusetzen, also 820 Schweizer Franken.
Einer der Jungs ging hin, schaute sich den Betrag an, und seine Augen wurden gross und grösser, sein Gesicht lang und länger. Da konnten oder wollten sie nicht mehr mitsteigen. Ja, der Leiter des Expeditionsteams zählte dann kurz vor 21.30 Uhr von fünf herunter. Annagret sagte: «Zehntausend zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten», der Hammer fiel, und die Flagge gehörte mir. Das Zeremoniell der Übergabe folgte einen Tag später – und folgt somit auch in einem weiteren Beitrag von mir.
More to come! Stay tuned…