Die gläserne Stadt

Endstation des Canada Line SkyTrain, der uns vom Flughafen ins Stadtzentrum von Vancouver fährt. Meine erste Kopfbewegung beim Ausgang der Waterfront Station geht nach oben. Ja, mein Blick wird förmlich nach oben gezogen. Glänzende Glasfassaden streben zum Himmel, spiegeln sich einander und vereinen sich zu einer gläsernen Skyline. Faszinierend, schwindelerregend. Hier waren kreative Architekten am Werk. Je länger ich die gläsernen Türme. betrachte, desto mehr Details erkenne ich. Da gibt es auf der Höhe des 73. Stockwerkes einen Erker in moderner Dreiecksform, filigrane Holzverzierungen laufen über ganze Fassaden, auf Dachterrassen in geschätzten 300 Meter Höhe wachsen ganze Wälder, viereckige Höchsthäuser enden in einer Kuppel … Der Fantasie ist keine Grenze gesetzt. 

Mein Blick wird durch ein lautes Kuckkuck auf die Strasse gelenkt, oder genauer auf den Fussgängerstreifen. Hier zwitschern die Fussgängerampeln in etwas verstimmten Terzen, wenn die Strasse für die Fussgänger frei gegeben wird. So wird unser erster Spaziergang durch die Stadt von vielstimmigem Kuckuck begleitet. Eine wahrlich an Vogelstimmen reiche Stadt! Die Ampelanlagen an den Kreuzungen stehen mit ihrem altertümlichen Design im kuriosen Gegensatz zu den hochmodernen Glasfassaden. Altbewährtes mischt sich mit der Moderne. Dieses Motto begleitet uns durch die ganze Stadt. Alte, zweistöckige Bauten stehen neben Spiegeltürmen, Kirchen werden zwischen Neubauten fast zerquetscht, alte quietschende Busse rumpeln durch die Strassen, vorbei an Grieder–Boutiquen mit der neusten Mode.

Menschen aller Nationen drängeln durch die Strassen, eine multikulturelle Gesellschaft erzählt noch heute von der Einwanderungsgeschichte Kanadas.

Und mitten in dem Getümmel unser Trio: Christoph mit Mr. Ed und ich. Alle sind wir etwas übernächtigt, inzwischen ist es zuhause 4 Uhr morgens, was aber unserer Neugierde und Abenteuerlust nicht abträglich ist. Vor allem Mr. Ed scheint noch Energie zu haben. Bei den Ampeln mag er jeweils kaum das Kuckuck abwarten. Er steht schon lange vorher mit den Vorderrädern auf der Strasse. Oder ist er so musikalisch, dass er den verstimmten Terzen entfliehen will?

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