Mit dem Rocky Mountaineer von Vancouver nach Kamloops

Pünktlich um 6 Uhr steht das Rollstuhltaxi vor dem Hoteleingang. Mr. Ed samt Christoph quetschen sich zwischen Swisstrac und Koffer. Vancouver-Sightseeing mit guter Sicht durchs Heckfenster am frühen Morgen im Kofferraum, eine Premiere. Nicht die einzige am heutigen Tag!

Beim Bahnhof der Rocky Mountaineer Gesellschaft werden wir von Gepäckträger Kevin empfangen. Er ist schon sehr munter und quasselte uns mit Infos und Fragen zu. Hinzu kommt sein kanadisches Englisch und ein leichtes Stottern. Da müssen wir aufwachen um mitzuhalten!

Der Empfang in der Halle ist very heartfull and very British. Alle Mitarbeitende des Mountaineer in Uniform und von echter warmer Herzlichkeit. Nun haben wir 45 Minuten Zeit für Coffee, Tea and Souvenirs, untermalt mit der Musik eines Flötisten. Very nice, indeed! Von heute an werden wir gut bewacht von Jasper, unserem Bären. In den Rocky Moutains kann dies durchaus von Vorteil sein.

Um 7.10 Uhr werden wir zu unserem Wagon begleitet. Christoph und Mr. Ed werden mittels Hebebühne in den Wagon verfrachtet. Mr. Ed kommt zurück, er wird im Truck mit dem Gepäck nach Kamloops reisen. Ich wünsche ihm gute Fahrt, gebe dem Personal letzte Anweisungen, wie Mr. Ed behandelt werden möchte und hoffe, dass er uns am Abend in Kamloops im Hotel wohlbehalten erwarten wird.

Und nun geht die Reise los. Die Sonne ist gerade aufgegangen, lässt die nahen Hochhäuser aufblitzen und die roten und gelben Blätter von Bäumen und Büschen leuchten. Sie leuchten mit unseren Augen um die Wette. Auf diesen Moment haben wir uns so sehr gefreut und sind nun doppelt dankbar, dass wir trotz des Ereignisses in Victoria in unseren Sesseln im Rocky Mountaineer sitzen.

Die Fahrt geht, ja, sie geht wirklich fast, im Schritttempo durch die Vororte Vancouvers, durch Industriegebiete. Zwischendurch bekommen wir einen Vorgeschmack auf die kommende Landschaft: gelbverfärbte Ahorne zwischen Tannen und Fichten, imposante Stahlbrücken über den Fluss, Sandbänke. Der Zug beschleunigt, verlangsamt, wenn es etwas Besonderes zu sehen und zu fotografieren gibt: Eine Felsformation, zwei sich kreuzende Eisenbahnbrücken, Valleys. Wir fahren stundenlang durch das Fraser Valley. Simon Fraser kam als sechzehnjähriger zur Zeit der Goldsucherzeit in dieses Valley. Er war krank und erfuhr von den Indianern, dass der Fluss an der engsten Stelle heilsame Kräfte habe. Er wagte sich todesmutig in das kalte, reissende Wasser und wurde wieder gesund und eine berühmte Persönlichkeit der kanadischen Goldgräbergeschichte.

Zwischen den Erläuterungen unserer Zugbegleiter werden wir fast nonstop kulinarisch verwöhnt. Vom Zweigang Frühstück über Drinks mit Snacks, zum Lunch mit Salat und feinstem Schokoladekuchen als Dessert. Begleitet von etwas Neuem für uns: Baleys-Tee. Mmmm… 

By the way: das Abendessen haben wir ausgelassen.

Nach den Flusslandschaften folgt in höheren Lagen die kärgere, aber nicht minder schöne Landschaft. Einzelne Fichten auf verschiedenst farbigem Felsuntergrund. Im Gestein findet sich Eisen, Kupfer oder Schwefel, das die Steine eingefärbt hat.

Immer wieder erschallt zwischendurch der Ruf: Eagles on the right side …. Four Eagles at the left … Riesige schwarz-weisse Seeadler sitzen auf Bäumen oder Masten, fliegen im Tiefflug über den Fluss. Bears … ertönt nur einmal. Leider hat der Zug diesmal nicht verlangsamt.

Am Ende der Reise, gegen 18 Uhr, fahren wir dem Kamloops Lake entlang. Die Natur ist weitestgehend unberührt und von karger Schönheit. Spuren von Menschen sind sichtbar, doch zeugen sie leider nicht von Behutsamkeit und Respekt gegenüber der Natur.

Der Zug hält still und wir werden von eisigem Wind empfangen. Was Kamloops uns wohl zu bieten hat? Vielleicht kann uns Mr. Ed schon etwas über dieses Goldgräberdorf erzählen.

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