Ottawa

Ottawa oder [Otauà], wie uns schon bei der Ankunft im Bahnhof verkündigt wird, heisst uns mit seinen Nachtlichtern willkommen. Am nächsten Morgen begrüsst uns ein sonniger Tag und die Aussicht von unserem Zimmer, das eher einer kleinen Wohnung ähnelt, ist umwerfend schön:

Wir machen uns mit dem Taxi von Abdul auf den Weg in die Stadt. Wohin wir wollten, lautet seine Frage. Wir beginnen mit dem höchsten Punkt der Stadt. Der höchste mit Doppelbedeutung, geographisch und politisch: Wir steigen auf dem Parlament Hill aus.

Königin Viktoria hat im 19. Jahrhundert Ottowa zur Hauptstadt Kanadas gekürt und liess für die Regierenden eine Schlossanlage inklusive Turm in Anlehnung an den Londoner Big Ben erbauen. Sein Geläute steht übrigens dem Original in nichts nach! Ich komme mir vor, als sei ich nicht einem Taxi, sondern Cinderellas Kutsche entstiegen. Doch werde ich abrupt aus meinem Märchen gerissen. Auf der Suche nach den Washrooms, bellt mich ein Security an: Go out here! Out! Ob ich wohl mit meinem Gipsarm so bedrohlich wirke? Sicher ist, dass Monsieur Trudeau und seine Regierung gut bewacht werden.

Der Rundgang um die Parlamentsgebäude gibt uns den Blick über die Stadt frei. Sie wird durch den Fluss Rideau getrennt, ist aber durch zwei grosse Brücken wieder verbunden. Ottowa scheint von Grün umschlungen, überall hat es herbstlich gefärbte Bäume und Parkanlagen, die vom Stadtrand in die Stadt hineinwachsen.

Wir spazieren vom Parlament Hill Richtung Stadt und suchen Schutz vor dem eisigen Wind und Wärme im Einkaufszentrum Centre Rideau. Es ist nicht ganz so gross wie dasjenige von Montreal, doch auch gross genug, um sich zu verlaufen. Aufgewärmt und mit Kabelbindern für Mr.Ed ausgestattet (siehe Beitrag: Der tapfere Mr. Ed), verlassen wir diesen Einkaufspalast und machen uns auf den Weg zum By Market. Er liegt gleich um die Ecke, und es tut sich für uns wieder eine neue Welt auf. Wir stehen mitten in der Altstadt Ottowas. Zweistöckige Häuser reihen sich aneinander, viele aus rotem Backstein gebaut, andere aus Sandstein. Der Stil ähnelt sich, doch hat jedes seine ausgeprägte Individualität. Hier wird etwas von der Bodenständigkeit des ursprünglichen Ottowas fühlbar. Die ersten Bewohner waren Holzarbeiter und auch Königin Viktoria musste deren ursprüngliche Selbstverständlichkeit erkannt haben. Ottowa hat sich seine Bodenständigkeit erhalten, schafft den Zugang zur Modernen ohne diese Bodenhaftung zu verlieren. Von all dem erzählen die Stadt und die Menschen, die sich in ihr bewegen. Im Altstadtviertel ist das moderne Leben eingezogen: viele Souvenierläden, irische Pubs, Bars, einige Lebensmittelläden, Coiffuresalons oder Nailstudios und Restaurants statten die Untergeschosse der Häuser aus. Mitten in diesem Quartier steht die Markthalle. Heute finden sich hier vor allem Verpflegungsstände verschiedenster Nationen und einige Läden mit kanadischem Handwerk. Eine bunte Welt, in der wir uns sehr wohl fühlen (wenn es bloss nicht so kalt wäre!).

Am nächsten Tag möchten wir den Jaques Cartier Park besuchen und die Rideau Falls. Abdul setzt uns am Eingang des Parks ab. Es beginnt zu regnen. Das erste Mal seit Victoria. Wir nehmen es gelassen, Kapuzen rauf und weiter geht‘s. Ach ja, Mr. Ed! Ihm macht der Regen nichts aus, im Gegenteil, so werden seine verstaubten Räder vielleicht etwas gereinigt. Aber nun zurück zu unserem Parkbesuch: wir gehen und rollen Richtung Eingang. Durch grüne Absperrgitter sehen wir grosse Baumaschinen und riesige Pflanzenskulpturen: Pferde, eine Eisenbahn, Fantasiegestalten. Wie gerne würden wir diesen Park entdecken! Aber uns wird durch den Saisonschluss und die Bauarbeiten zur Erneuerung der Skulpturen der Zugang verwehrt. Wieder sehen wir die Wasserfälle nicht.

Auf dem Weg zurück in die Stadt grüsst uns vom Strassenrand her eine freistehende Kirche. Notre-Dame heisst uns in neugotischem Stil willkommen. In ihrem mit wunderschönen Holzschnitzereien verzierten Innern geniessen wir die Wärme und die anheimelnde Atmosphäre.

Danach steht ein Zvieri im ByWard Market und Mitbringsel-Einkauf auf dem Programm. Später lassen wir uns  voller Eindrücke von Abdul ins Hotel zurückfahren.

Morgen wird uns unsere letzte Zugfahrt nach Toronto zurückführen, dahin wo uns der Bär Jasper und das Flugzeug nach Zürich erwarten.

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One thought on “Ottawa

  1. Liebe Vera, Christoph & Ed.
    Mehr als drei Artikel nacheinander musste ich nie lesen. Voller Erwartung schaute ich auf eurem Blog, ob ich eure Abenteuer weiterfolgen darf. Mit Genuss und Hochachtung habe ich mitgelesen. Ganz herzlichen Dank.
    Nun bin ich froh, dass ihr von einem Flug nach Zürich lese. Ich hatte beinahe eine Wolle gegen die Fluggesellschaft, dass die euch nicht unterwegs einsteigen lassen wollten.

    Jedenfall wünsche ich eine gute Reise und und frohes Heimkommen. Auch wenn der Alltag wartet, bleiben bestimmt viele Erlebnisse und Eindrücke haften. Ich werde jedenfalls auf eure Mundwinkel achten am nächsten Montag.

    Merci für den Blog! Herrlich!
    Seid gesegnet.
    Liebe Grüsse, This.

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