Hammerfest »On Top of the World«

Hammerfest liegt tausend Kilometer nördlich des Polarkreises und war bis 1996 die nördlichste Stadt der Welt. Dann bekam Honningsvåg, das noch nördlicher liegt, das Stadtrecht. Doch auf Werbeprospekten wirbt Hammerfest immer noch mit »On Top of the World«, was niemand der Stadt abspricht.

Das moderne Aussehen der Stadt, die schon 1789 das Stadtrecht bekam, verdankt auch sie der Deutschen Wehrmacht und ihres Prinzips der »verbrannten Erde«. Das einzige Gebäude, das den Flammen der Deutschen widerstand und heute noch steht, ist die Grabkapelle.

Heute sind der Tourismus, die Fischerei, die Schifffahrt und die Erdgasförderung- und verarbeitung die Einnahmequellen der Stadt. Hammerfest hat die grösste Erdgasverflüssigungsanlage der Welt.

Doch nun genug der Infos zu der Stadt. Wir machen es wie immer und lassen uns von unserem Gefühl bei der Stadtentdeckung leiten. Halt, stimmt nicht ganz. Ich habe uns wie immer vorgängig im Reiseführer etwas schlau gemacht und weiss, in welche Richtung ich gehen möchte. Die Grabkappelle interessiert mich und die moderne Hammerfestkirche. Wir folgen der Hauptstrasse nahe des Hafens, kommen am »Wiederaufbaumuseum“ vorbei, das sich der Geschichte des zweiten Weltkrieges und des Wiederaufbaus widmet. In fast allen grösseren Orten in der Finnmark begegnet man solchen Museen. Erinnerung und Bewältigung der vielen grauenhaften Kriegsgeschehnissen.

Wir gehen um die Strassenbiegung und da erhebt sie sich weiss und erhaben in den strahlend blauen Himmel. Eine grosse Kirche aus Beton und in Dreiecksform. Sie beeindruckt durch ihre Schlichtheit und mit ihrem strahlenden Glasfenster im Chor. Ein Dreieck, dessen Schenkel acht Meter lang sind. Der Osloer Architekt Hans Magnus hat die Kirche erbaut, die 1961 geweiht wurde. Das Dreieck ist Leitmotiv der Kirche: Symbol der heiligen Dreifaltigkeit und der Bezug zu den traditionellen Gestellen zum Fischtrocknen, mit denen noch heute der Stockfisch hergestellt wird.

Die Aussicht von hier über den Fjord ist eindrücklich. Die rohe Natur mit ihren kargen Felsen und dem wenigen Grün vereint sich mit dem Blau des Wassers und des Himmels.

Dann besuchen wir die Grabkapelle. Eine Rampe für den Rollstuhl wäre da, doch wie so oft hier im Norden, ist die Kapelle verschlossen.

Der Friedhof beeindruckt mich, wie eigentlich alle Friedhöfe in Norwegen und in Schweden. Die Gräber liegen verstreut im Gelände, so als hätten die Verstorbenen und ihre Angehörigen die Wahl gehabt, wo sich ein Grab befinden soll. Auch hier gibt es sehr alte Gräber, sogar aus dem 18. Jahrhundert. In Skandinavien werden die Toten geehrt, ihre Gräber erhalten und immer wieder erneuert. Eine sehr berührende und verehrende Tradition.

Wir müssen uns von dieser Stadt wieder verabschieden. Der Rückweg führt uns noch über einen grossen Platz am Hafen, wo sich Touristen und vermutlich auch Einheimische tummeln. Es bleibt keine Zeit mehr, dies genauer herauszufinden, das Schiff legt bald ab.

Von Kirkenes nach Bergen

Das Schiff legt in Kirkenes ab, und schon befinden wir uns auf der Rückreise nach Bergen. Die Reise vom Norden in den Süden ist fast die gleiche Strecke wie von Süden nach Norden, doch ändern sich die Ankunftszeiten an den Anlegeorten. Da wo wir im Hinweg im späteren Morgen oder am Nachmittag angelegt haben, landen wir nun nachts oder am Morgen früh. Wir fahren mehr Strecken auf offenem Meer, was die Fahrt lebhafter und schwankender macht.

Die Reise von Kirkenes zurück nach Bergen ist eine Reise voller Überraschungen: da sind die unvorstellbar schönen Naturbilder und immer wieder Anlegeorte, die auf den ersten Blick eher unattraktiv wirken. Wenn wir uns eingehender mit ihnen befassen, entdecken wir Spannendes, Interessantes, Berührendes und zum Nachdenken anregendes. Es lohnt sich einmal mehr, sich genauer mit dem Unscheinbaren zu beschäftigen.

Die erste Überraschung erleben wir in der Nacht nach Kirkenes. Die Lautsprecherdurchsage um 21.30 Uhr lässt uns aufhorchen. «Die Sichtung von Nordlichtern ist möglich». Also nichts wie los auf Deck sieben. Ich bin gespannt, was ich da zu sehen bekomme. So viele haben mir davon vorgeschwärmt oder mir dieses Phänomen physikalisch erklärt. Das ist alles vergessen, als ich wie alle andern in den Himmel schaue. Da ist der nicht mehr ganz volle Mond und ein paar Wolken, dazwischen vereinzelte Sterne. Doch dann webt sich aus dem Nichts heraus ein leuchtend grünes Band von Irgendwas durch die Wolken und in den Nachthimmel. Ständig in Bewegung, in immer neue Formen und unterschiedlich intensiv leuchtend. Ein grün-gelbes Wunder.

In der nächsten Nacht dürfen wir noch einmal über das gleiche Wunder staunen. Die Bilder am Himmel sind noch intensiver, das Spiel von Mond, Nordlichter und Wolken ein Tanz in der Unendlichkeit.

Kirkenes «Wendepunkt der Postschiffe»

Als unser Schiff in Kirkenes anlegt, ist der Himmel grau, das erste Mal seit dem strömenden Regen in Bergen. Diese düstere Stimmung passt zu meinem Eindruck dieses verlorenen Fleckens Erde. Graue Felsen und wenig Gestrüpp. Ich bin gespannt, was wir an diesem Ort entdecken werden. Die russische Grenze ist nur 10 km entfernt, was für mich das Ganze noch ungemütlicher scheinen lässt.

Das Bild, das sich dem Betrachter beim Spaziergang durch die Stadt eröffnet, ist gänzlich anders als der erste Eindruck. Wir kommen an schönen Holzhäusern vorbei, die sehr gepflegt sind und auf einen gewissen Wohlstand hindeuten. Es leben rund 3500 Menschen in dieser Stadt. Mit jedem Schritt begegnet man mehr der Geschichte dieses Ortes: da ist die «Andersgrotte“», die während des Zweiten Weltkrieges gesprengt wurde und der Bevölkerung als Schutz gegen die russische Bombardierung diente. 1944 wurde die Stadt von der Roten Armee eingenommen. Voraus gegangen war auch hier die Massnahme «verbrannte Erde» der Deutschen Wehrmacht. Kirkenes war von allen Kriegsparteien wegen seines reichen Erzvorkommens begehrt und umkämpft. Acht Jahre nach dem Krieg wurde der Erzabbau wieder aufgenommen und Kirkenes erlebte Jahre des wachsenden Wohlstands, was sich, wie beschrieben, an der Architektur der Häuser zeigt.

Wir gehen über den Dorfplatz, wo reges Leben herrscht. Eine Schulklasse besucht das Museum, Touristen wie wir lesen die Geschichtstafeln, die rund um den Platz stehen. Unterwegs fallen mir zweisprachige Strassenschilder auf: Norwegisch und Russisch. Bis im Februar 2022 war die Grenze zu Russland offen und die Russen konnten ohne Visa nach Kirkenes kommen. Weiter geht es zu einem Fabrikgebäude aus roten Ziegelsteinen, vermutlich eine der ehemaligen Erzfabriken. Wir kommen in eine kurze Geschäftsstrasse, die von einer Riesenkrabbe aus Metall bewacht wird. Bald erreichen wir die Kirche, die geschlossen ist. Die Grabsteine auf dem Friedhof erzählen vom Krieg. Unzählige Männer sind im Jahr 1944 gestorben.

Eine Dame von unserem Schiff macht uns auf die russische Botschaft in einer Nebenstrasse aufmerksam. Ein einfaches Haus. Das Besondere hier ist der Mut der Bevölkerung von Kirkenes. Gegenüber der Haupttüre steht ein Holzpalett mit einem riesigen Bild von Alexej Navalny. Kerzen und Blumen schmücken das Bild. Wenn die russischen Angestellten nach Hause gehen, müssen sie Navalny in die Augen sehen.

Auf dem Rückweg zum Schiff besuchen wir noch das Denkmal für die russischen Soldaten, die der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg entgegentraten. Daneben steht ein gelb-blauer VW-Bus mit grossen Buchstaben beschrieben: STOP WAR und STOP PUTIN. Womit wir wieder in der Gegenwart angekommen sind.

Traumreise mit Überraschungstag

Nun also gehörte die Schiffsflagge rechtlich mir, aber sie hing noch am Heck der MS Polarlys. Einen Wunsch hatte ich dennoch, den ich dem Expeditionsleiter mitteilte: «Ich möchte gerne die Signatur des Kapitäns auf der Fahne haben.»

Seine Antwort war eindeutig: Das gehe nicht, weil es sich um eine Hoheitsflagge handle, die nicht beschrieben werden dürfe. Es gäbe da klare Vorschriften. Nun, mir war ja in erster Linie wichtig, die Flagge überhaupt mit nach Hause nehmen zu können. Und das hatte ich ja mit meinem Gebot und dem Gewinn der Auktion erreicht.

Jan, so der Name des Expeditionsleiters, sagte jedoch, er würde schauen, was er für den morgigen Tag – also den zweitletzten Tag vor der Ausschiffung – organisieren könne.

Ich wurde gerade von Petra gepflegt, als plötzlich unser Kabinentelefon läutete. Am Apparat war Jan. Um 12.15 Uhr hätte der Kapitän Zeit, mir die Fahne zu übergeben. Ich solle doch um 12.00 Uhr zu ihm kommen, und dann würden wir gemeinsam ans Heck des Schiffs gehen für die Flaggenübergabe.

Und was dann folgte, übertraf meine kühnsten Erwartungen.

Jan begleitete mich und Vera ans Heck des Schiffs, zur Flagge. Sie flatterte immer noch im Wind, und meine Vorfreude war gross, sie bald in meinen Händen halten zu können.

Punkt 12.15 Uhr tauchten dann der Kapitän Lars Kalås und der Hotelmanager Marco Voigtländer auf. Ich wurde von beiden begrüsst, und in einem kleinen Zeremoniell zogen sie meine Flagge ein. Damit das Schiff gleich wieder unter der Hoheitsflagge fahren konnte, wurde eine neue aufgezogen.

Der Kapitän und sein Hotelmanager versuchten sich im Singen der norwegischen Nationalhymne – ein Erlebnis für sich. Dann folgte die Übergabe der Fahne mit einem Gruppenbild, das für sich spricht.

Nochmals wurde erklärt, dass diese Flagge nicht signiert werden dürfe. Doch sie hatten eine andere Überraschung für mich: die Fahne der Schiffsgesellschaft Hurtigruten, versehen mit der Widmung MS Polarlys, dem Reisedatum 2. September bis 13. September 2025 und der Unterschrift des Kapitäns. Auch hier folgte nochmals ein kleiner Fototermin.

Die Reise mit den Hurtigruten war meine elfte Kreuzfahrt, und schon immer hatte ich mir gewünscht, einmal die Brücke besuchen zu können. Im Rollstuhl hatte ich diesen Wunsch aber längst verworfen, und umso mehr war ich überrascht, als der Kapitän mich auf seine Brücke einlud. Ein einmaliges Erlebnis – und mein Grinsen hätte nicht grösser sein können.

Mit einem schönen Abschiedsfoto zusammen mit dem Kapitän auf der Brücke konnte meine Reise in den hohen Norden nicht besser zu Ende gehen. Ich war tief berührt über das Team und über die Art, wie sie mir eine Riesenfreude gemacht hatten.

Wie meinen Augapfel hütete ich die Schiffsflagge und die Hurtigrutenfahne, bis sie nun bei mir zu Hause darauf warten, schön präsentiert zu werden.

Die Schiffsflagge als Erinnerung an meine letzte Traumreise auf meiner Bucketlist 

Einige Zeit, bevor ich auf die Reise mit Hurtigruten ging, sah ich mir einen Dokumentarfilm über die Reise an. Und da habe ich gesehen, dass sie jeweils die Schiffsflagge für ihre Foundation versteigern. Für mich war ab dem Moment klar, dass diese Fahne, egal wie, am Schluss mit mir die Heimreise antritt.

Und am zehnten Tag war es dann endlich so weit. Die Versteigerung von einer Schiffskarte und einem Kunstgegenstand waren angesagt. Aber nirgends stand, dass die Flagge auch versteigert wird. Eine kleine Enttäuschung stieg in mir auf. Am elften Tag dann aber sah ich eine noch bügelfrische Flagge auf dem Tisch liegen. Und sie war tatsächlich in einer stillen Auktion zu ersteigern. Klar, dass ich da mitmachen musste.

Noch vor dem Frühstück gingen wir uns den Zettel anschauen. 800 norwegische Kronen (NOK) waren das Mindestgebot, also rund 68 Franken. Darunter stand schon jemand, der 1500 NOK geboten hatte.

Nach dem Frühstück musste ich natürlich schon wieder schauen gehen, wie hoch der Preis inzwischen war. Nun waren sie bei 2500 NOK. Ich bat Vera, den Betrag auf 3000 NOK zu erhöhen.

Danach ging es auf einen Landausflug. Gedanklich war ich aber immer wieder bei der Steigerung, weil ich die Schiffsflagge während der ganzen Reise immer wieder gesehen und mir gesagt hatte: Am Schluss gehört sie mir. Ich war gespannt, wie hoch ich am Schluss bieten muss, damit sie wirklich mir gehören konnte.

Nachdem wir von unserem Landausflug zurückgekehrt waren, war der Preis inzwischen bei 4000 NOK. Klar, dass ich weitere 1000 NOK darauflegte.

Vom Chef des Expeditionsteams erfuhr Vera, dass zwei Jungs die Fahne unbedingt haben wollten. Und tatsächlich, nach dem Abendessen war der Preis inzwischen auf 6000 NOK gestiegen.

Ich setzte den Betrag von 7000 NOK aufs Spiel und fragte mich, wie hoch sie am Schluss gehen würden. Um Viertel nach neun, also eine Viertelstunde vor Ende der Auktion, ging ich dann in den Auktions- respektive in den Shop-Raum. 7100 NOK standen nun auf dem Blatt. Ich erhöhte auf 8000 NOK und sah, wie einer der Jungs dann vorbeischaute, um zu sehen, welcher Betrag nun eingesetzt worden war. Sie berieten sich vor dem Shop noch einmal lange, und drei Minuten vor halb zehn setzten sie 8100 NOK ein. Nun war es an der Zeit, mein wahres Gesicht zu zeigen, und ich bat Vera, 10 000 NOK einzusetzen, also 820 Schweizer Franken.

Einer der Jungs ging hin, schaute sich den Betrag an, und seine Augen wurden gross und grösser, sein Gesicht lang und länger. Da konnten oder wollten sie nicht mehr mitsteigen. Ja, der Leiter des Expeditionsteams zählte dann kurz vor 21.30 Uhr von fünf herunter. Annagret sagte: «Zehntausend zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten», der Hammer fiel, und die Flagge gehörte mir. Das Zeremoniell der Übergabe folgte einen Tag später – und folgt somit auch in einem weiteren Beitrag von mir.

More to come! Stay tuned…

Weihnachten in Honningsvåg

Honningsvåg war auch Opfer des Zweiten Weltkriegs. Ausser der Kirche, wurden alle Häuser von der Deutschen Wehrmacht abgebrannt. Deshalb sind die alten Häuser im Stil der Nachkriegsarchitektur gebaut.

Als erstes fällt mir der Hafen voller Schiffe auf. Honningsvåg ist die bedeutendste Fischereisiedlung der westlichen Finnmark. Dies sieht man einerseits an den vielen deutlich erkennbaren Fischerbooten, andererseits an den zahlreichen Werftbetrieben und Fischverarbeitungsfabriken.

Auf dem Weg ins Dorf kommen wir am Nordkapmuseum vorbei, das über die Geschichte und die regionale Küstenkultur informiert. Wir lassen es rechts liegen und spazieren weiter.

Ich frage mich sehr bald, wie Menschen hier in dieser kargen Landschaft leben können, im nördlichsten Dorf Norwegens, das mit Strassen erschlossen ist. Jetzt scheint die Sonne und die farbigen Schiffe und die bunten Häuserzeilen leuchten und hinterlassen einen frohen Eindruck. Doch wie dunkel und einsam muss es hier im Winter sein, ohne Sonne und bitter kalt?

Die Menschen, denen wir begegnen, sind freundlich und wirken aufgeschlossen. Ein Plakat lässt mich stutzig werden: hier werden im Sommer mehrere Musikfestivals, kulturelle Produktionen, Ausstellungen und ein Sommermusical durchgeführt. Nichts von gedrückter Stimmung! Dieses Dorf hat ein reiches Leben und im Sommer herrscht hier sicher ein buntes Treiben.

Meinen ersten Eindruck kann ich gleich über den Haufen schmeissen. Hier lässt es sich offensichtlich gut leben.

Auf dem Rückweg zum Schiff sehe ich von Weitem ein Haus mit weihnachtlichen Plakaten: «Artico Christmas House». Da treibt mich meine Neugierde hin. Auf 400 m2 warten hier Weihnachtsartikel so weit das Auge reicht. Hier findet man einfach alles: Weihnachtszwerge, Weihnachtsrentiere, Weihnachtskugeln, Weihnachtsservietten, Baumschmuck, Textilien usw. usw. Weihnachten Mitte September!

Da wird mir ein weiterer Aspekt der Hurtigruten-Schiffe bewusst: Touristen kommen dank der Schiffe hierhin, kaufen Weihnachtsartikel, besuchen das Museum, nehmen im Sommer an den Festivals teil und im Winter buchen sie Schlittenfahrten und wollen die Polarlichter sehen.

Tromsø „Paris des Nordens“

Tromsø war im Zweiten Weltkrieg für kurze Zeit die Hauptstadt des freien Norwegen (bis der König und die Regierungsmitglieder nach England flüchteten) und von Zerstörung weitgehend verschont geblieben.

Tromsø liegt auf einer Insel, ist von zum Teil 1200m hohen Bergen umgeben und verfügt über einen lebhaften und farbenfrohen Hafen.

Schon von weitem leuchtet die Eismeerkathedrale zum Gruss bei der Einfahrt des Schiffes in den Hafen. Sie ist nur über die 1036 m lange Tromsøbrua erreichbar, die über den Sund führt. Zahlreiche Busse voller Touristen fahren fast nonstop über diese Brücke und von Weitem sieht man die zahlreichen Besucher vor der Dreieckskirche stehen. Für uns wenig verlockend.

Wir wenden uns zuerst der Stadt zu. Modernste Glaskästen säumen den Sund. Wir folgen einer Strasse Richtung Zentrum, gehen an einer Kirche vorbei, die 1861 in neugotischem Stil erbaut wurde. Es ist der nördlichste protestantische Dom der Welt und ist eine der grössten Kirchen des Landes.

Die Fussgängerzone ist in Blickweite, als mich ein altes Holzhaus in einer Nebengasse in seinen Bann zieht. Es ist mit einem überdimensionierten Playmobil-Piraten, einem etwas kleineren Mickey Mouse-Bild geschmückt und weckt meine Neugierde. Es ist eine Art Antiquariat und Legoladen.Die Gestelle sind prall gefüllt, man muss sich den Weg zum Verkaufstisch suchen. Hier findet man vermutlich alles, was das Playmobil- oder Legoherz begehrt.

Die Fussgängerzone entpuppt sich als lebhafte Geschäftsstrasse mit alten, meist doppelstöckigen Holzhäusern. Die Geschäfte sind vor allem auf Touristen ausgelegt, daneben gibt es Restaurants, Bars und Cafés. Doch ein nördliches Paris? Es ist ein friedliches Treiben und der Sonnenschein trägt dazu bei, dass wir uns hier wohlfühlen. Neben den alten Häusern sieht man immer wieder riesige Glasgebäude, die sich an die alten Häuser schmiegen. So die Bibliothek und das Rathaus. Aber auch hier ein friedliches Nebeneinander, alles hat Platz: moderne Architektur, alte Geschäftshäuser, romantische Pavillons, ein Kino aus dem letzen Jahrhundert und der bunte Hafen voller Boote.

Die netten Kreuzfahrer von nebenan 🤬

Kreuzfahrten, auch unsere Reise mit der Hurtigrutenlinie gehört dazu – auch wenn die maximale Passagierzahl bei 700 Personen liegt. Auf einer Kreuzfahrt sind folglich viele Menschen auf engem Raum unterwegs. Man trifft sich immer wieder: Bei den einen freut man sich darüber, bei den anderen versucht man, ihnen so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen. Und es gibt den typischen Kreuzfahrer, der ständig auf der Suche ist, allen anderen alles zu erklären.

Wie so ein Tag abläuft oder wie ein erstes Treffen aussieht, erkläre ich euch. Ohne grosse Gedanken macht sich unsere kleine Reisegruppe – Vera, Petra und ich – auf den Weg ins Restaurant Torget, um unser Frühstück einzunehmen. Wie geplant ist dort ein Tisch für uns reserviert, den ich als Rollstuhlfahrer gut erreichen kann.

Wir sind noch nicht einmal richtig am Tisch eingerichtet, da tönt es vom Nebentisch: «Guten Morgen allerseits!» Eine Frauenstimme ruft es, und auch der Mann stimmt in eine ähnliche Morgenbegrüssung ein.

Ich blinzle nicht einmal, denn diesen Typus von Kreuzfahrern kenne ich nur zu gut von meinen vergangenen Reisen. Keine fünf Minuten vergehen, und schon versuchen diese Damen und Herren einem zu erklären, was man auch selbst sehen kann.

Meine Situation als mobilitätseingeschränkte Person im Elektrorollstuhl lässt auch die Option offen, auf stur zu schalten – oder ähnlich. Heute entscheide ich mich für die «autistische Version»: Das heisst, ich schaue weder die Leute an, noch gebe ich irgendein Wort von mir.

Nachdem wir mit den Zutaten für unser Frühstück wieder an unserem Tisch sitzen, beginnt die Dame nebenan mit Vera zu plaudern. «Wie hat euch die Reise gefallen?», ist die einzige Frage, die sie stellt – dann geht es los: Sie seien in Bergen eingestiegen («wir auch»). Sie hätten den Flug mit KLM über Amsterdam genommen und seien am Tag der Abreise direkt auf dem Schiff in Bergen angekommen («wir nicht»). Die Rückreise würden sie ebenfalls gleich nach der Ankunft in Bergen antreten («wir zum Glück nicht»).

Vera hatte sich zu Beginn noch auf das Gespräch eingelassen, hat aber schnell begriffen, dass man nur mit einem Rückzug sein Frühstück in Ruhe essen kann.

Aber ist man erst einmal in ihren Fängen, dann sind sie wie Kletten – man wird sie nicht mehr los.

Die «Klette» quatscht weiter, obwohl Vera ihr gar nicht mehr zuhört und keine Antworten mehr gibt.

«Wir haben ja bestes Wetter für unsere Reise, und das Essen ist so gut. Habt ihr dies und das auch schon gesehen? Und wir haben ja noch so viel vor uns. Obwohl, die Reise ist ja bald zu Ende. Bla, bla, bla.»

Ich bin mir gar nicht sicher, ob sie wirklich alles so gesagt hat – aber es klingt immer gleich.

Einen Tag später sind wir auf einem Landausflug. Und es muss so kommen, wie es kommen muss: Man trifft diese Leute wieder. Sie quasselt irgendetwas von einem Berg mit einem Stein oder so. Vera schaut sie nur kurz an, gibt ein «Ja» zur Antwort und läuft weiter.

Wir fragen uns, wann sie uns das nächste Mal wieder über den Weg läuft, um uns zu erzählen, wie das Wetter jetzt doch gewechselt habe, dass nun Wolken aufgezogen seien und die Sonne gar nicht mehr durchkäme. (Zum Glück sind wir nicht blind und auch nicht auf solche Auskünfte angewiesen.)

In solchen Momenten wäre ich gerne taub. Aber vielleicht würden auch überdimensionierte Kopfhörer helfen, um den eigenen Widerwillen gegen solche Plattitüden zu manifestieren.

Am Abend sehen wir das Paar auf dem Schiff wieder. Zum Glück haben sie jemand anderen gefunden. Das Bild ist aber immer noch das gleiche: Sie quatscht die andere Person im Gehen voll, und ihr «Begleithündchen» hechelt ihr hinterher.

Bodø – Kulturhauptstadt Europas 2024

Bodø ist die zweitgrösste Stadt Nordnorwegens. Die Schönheit dieser Stadt liegt in ihrer Umgebung: Fjord, Berge, Insel. Die Stadt selber wurde nach dem zweiten Weltkrieg und der Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht wieder aufgebaut. In der für diese Zeit aktuellen Architektur. Im Rechteckmuster verlaufende Strassen und viele triste Stein – und Betonhäuser. Daneben gibt es am Fjord modernste Bauten, auch das Rathaus in der Stadt gehört zu diesen. Bekannt wurde Bodø durch die verschiedenen Graffitikünstler, die die grauen Wände lebendig machten. Streetart ist in Norwegen sonst selten, hier findet man sie zu Hauf.

Trondheim

Trondheim wurde im Jahr 997 auf der Halbinsel Øra erbaut. Die Lage der Stadt war strategisch günstig, sie war umgeben von Wald und fruchtbaren Böden. Sie wurde damals zur Residenzstadt von König Olav Tryggvason. Sein Nachfolger trug wesentlich zur Bekehrung der heidnischen Wikinger zum «rechten Glauben» bei. Olav Haraldsson fiel bei einer Schlacht für das christliche Norwegen. Er wurde bei Trondheim in einer Kapelle beigesetzt. Aus dieser ging später der 1320 fertiggestellte Nidarosdom hervor.

Durch Trondheim zu schlendern lohnt sich. Eine breite Fussgängerzone mit vielen Geschäften in mehrstöckigen Holzhäusern führt direkt zum Dom. Dieser steht in einem weitläufigen Park. Gräber sind in lockerer Ordnung unter den Bäumen verteilt, so dass man dazwischen schlendern und den Park geniessen kann.

Der Dom ist ein Besuch wert. Von aussen sieht er etwas trotzig aus und erinnert an die romanischen Burgkirchen. Man sieht, dass er in der frühen Gotik erbaut wurde. Tritt man ein, ist man sofort in einen Raum der Leichtigkeit versetzt. Wie es für die Gotik typisch ist, zieht es den Blick in die Höhe, man scheint zu schweben. Der Dom ist von einer perfekten Einfachheit geprägt, frühgotische Figuren schmücken den Eingang zum Allerheiligsten, das aber frei zugänglich ist. Im Westen bringt einen die riesige Glasrosette zum Staunen und innehalten. Filigran und in harmonischen Blau- und Rottönen fängt sie den Blick des Besuchers ein.

Ja, richtig, die Gotik gehört zu meinen Lieblingsstilen in der Kirchenbaukunst und solch ein wunderschönes Beispiel von klarer Gotik bringt mich ins Schwärmen.

Die Zeit in Trondheim vergeht viel zu schnell und plötzlich müssen wir uns beeilen, damit wir pünktlich zurück auf unserem Postschiff sind. Im Vorbeigehen sehen wir die alten Holzhäuser, die noch heute auf Pfählen im Wasser stehen. In verschiedenen Farben grüssen sie von der anderen Flussseite zu uns herüber. Für einen längeren Blick und ein paar Fotos reicht es, dann geht’s ab aufs Schiff.

Ålesund «Stadt des Jugendstils»

Die vielen Jugendstilhäuser, denen man auf dem Stadtbummel begegnet, wurden alle im Zeitraum zwischen 1904 und 1907 erbaut. Vorausgegangen war eine Feuersbrunst, die im Januar 1904 den gesamten Stadtkern zerstörte. Mehr als 800 Häuser verbrannten und und rund 10 000 Menschen wurden obdachlos. Hilfe kam aus ganz Europa. Der Wiederaufbau dauerte drei Jahre und entsprechend des Baustils in diesen Jahren, wurden die Häuser in dem mit nationalen Elementen gemischten Jugendstil gebaut.

Ålsund ist noch heute der wichtigste Fischerei- und grösste Exporthafen Norwegens für Stockfisch. Für Stockfisch wird hauptsächlich Kabeljau (Dorsch) verwendet, der auf Holzgestellen an der Luft getrocknet wird. Eine Spezialität, die wirklich gut schmeckt, wie ich bei einem Abendessen feststellen durfte.

Auf unserem Stadtbummel staunten wir ob den vielen verschiedenen Jugendstilfassaden, die mal weiss, mal farbig, mit verschiedensten Pflanzen-und Blumenornamenten geschmückt sind. Ein spezielles Stadtbild so hoch im Norden.

Von Ålesund nach Urke und zurück

Am Morgen des zweiten Reisetages legen wir in Ålesund an, doch ist die Aufenthaltszeit zu kurz, um die Jugendstil-Stadt zu besuchen. Ein zweiter Halt ist am Abend geplant, zwei Stunden Zeit für die Stadtbesichtigung.

Bis dahin erwartet uns eine Reise in die unendlich schöne Landschaft des Hjørundfjords. Er ist einer der Seitenarme des Storfjordes, der im Frühling und Herbst angefahren wird. Insgesamt geht die Fahrt durch den 84 km langen Ast bis nach Urke. Die Landschaft ist so unglaublich schön, dass man sie nicht beschreiben kann. Deshalb lasse ich lieber Bilder sprechen.

Urke ist ein kleines Bauerndorf mit 30 Einwohnern. Anfangs des 20. Jahrhunderts begann ein Bauer hier Landwirtschaft zu betreiben. Heute ist Urke wegen seiner einmalig schönen Lage fast zuhinterst im Fjord und als Ausgangspunkt für Wanderungen bekannt.

Die Hurtigruten-Schiffe gehen in der Nähe vor Anker und die Passagiere, die Wanderer und die Post und Waren für die Einheimischen werden mit Tenderbooten an Land gebracht.

Urke

Alles da? Ja, alles da!

Pass, Kreditkarte, Smartphone – das war mein minimal notwendiges Reisegepäck, als ich noch keine Hilfsmittel benötigte. 2007 wurde ein Gehstock notwendig, 2014 folgte der Rollstuhl. Spätestens da veränderte sich meine Art des Reisens wesentlich und die Flexibilität war weg. Auf der Hurtigruten-Reise dieses Jahr begleiten mich 260 Kilogramm Material: ein Rollstuhl (200 kg), ein Patientenlift (27 kg), ein Duschrollstuhl (6 kg) und mein normales Gepäck. Neben einer logistischen Leistung ist auch das Anpacken meiner Assistentin vonnöten.

Der Gesichtsausdruck der Person, die das Gepäck bei mir abholen musste, sprach Bände: Wie kann man nur mit so viel Material eine Reise unternehmen? Spätestens jetzt bewährte sich mein Entscheid, Business zu fliegen. «Sie fliegen Business?», fragte er – die Augen verdrehend.

Schliesslich nickte er nur und meinte «Okay». Daraufhin begann er, jedes Gepäckstück zu versiegeln, zu fotografieren und in seinen Transporter zu laden.

In meiner Wohnung hatte es nun wieder Platz und das Gepäck war auf dem Weg nach Zürich Flughafen. Ich war gespannt, ob alles aufgegeben werden kann. Vor allem der Patientenlift und der Duschstuhl hatten andere Dimensionen und müssten normalerweise als Übergepäck deklariert werden.

Im Laufe des Abends erhielt ich die erste Bestätigung für das aufgegebene Gepäck. Mir war jedoch klar, dass der Patientenlift und der Duschrollstuhl noch nicht eingecheckt waren. In der Nacht kam dann aber auch diese Bestätigung – ein äusserst grosser Schritt und eine grosse Erleichterung.

Beim Transfer in Frankfurt von einem Flieger zum anderen mussten wir – weil es Vorfeldparkpositionen waren – mit einem Lifter ins Flugzeug geladen werden. Da die Kabine noch nicht bereit war, warteten wir einen Moment im Lifter. Dort entdeckte Petra die beiden Kartonschachteln, womit wir sicher waren, dass diese ebenfalls in Bergen ankommen würden.

Kurz nach 23 Uhr landeten wir in Bergen, und etwa eine halbe Stunde später konnten wir unsere Gepäckstücke in Empfang nehmen. Drei Koffer und die zwei Schachteln waren dabei. Meine Erleichterung war riesig.

Gegen zwei Uhr morgens lag ich dann im Bett. Wir drei – gesund und frohgemut – waren angekommen, ebenso wie unser Gepäck. Nach einer guten Reise stand nur noch eine kleine Frage im Raum: Waren die Türen auf dem Hurtigruten-Schiff genügend breit, damit mein Rollstuhl hindurchpasste?

More to come. Stay tuned!

Gepäck vor der Kabine 321 auf der MS Polarlys

Ich bin Charly

Nein, ich hab keinen neuen Namen bekommen. Was es mit Charly auf sich hat, wird im Laufe dieses Beitrages ersichtlich.

Wer als mobilitätseingeschränkte Person mit dem Flugzeug reisen will, braucht vor allem eines: Nerven. Aber auch die richtigen Abkürzungen, um das zu bekommen, was man benötigt. WCHR, WCHS oder WCHC hat nichts mit der Toilette zu tun, auch wenn das WC darauf hinweisen könnte. WCH steht für Wheelchair (Rollstuhl). Das R bedeutet, dass eine mobilitätseingeschränkte Person für längere Strecken auf eine Fahrhilfe angewiesen ist. Das S steht für eine Person, die keine Treppen mehr gehen kann. Und das C schliesslich wird für Passagiere genutzt, die nicht selbständig laufen oder Treppen steigen können. Das Fliegeralphabet kennt eigene Bezeichnungen für die Buchstaben und so steht Charly für das C.

Charly kann nicht gehen. Aber auf unserem Zwischenstopp in Frankfurt weiss niemand, dass ein Charly im Flugzeug ist. So sitze ich gut eine halbe Stunde nach Ankunft in Frankfurt noch immer auf meinem Sitz 6D, neben mir auf Sitz 6C eine knapp 70-jährige Frau, die mich zum Anschlussflug bringen sollte. Irgendwann tauchten dann zwei Personen auf, die mich irgendwie aus dem Sitz rissen (absolut ungeübt und inkompetent) und auf dem Galleystuhl aus dem Flugzeug brachten, mich dort auf ein uraltes Rollstuhlmodell platzierten, was zu für mich mit enormen Schmerzen, einem fast über den Kopf gezogenen Pullover und einer kühlen Brise auf meiner nackten Haut führte. Zum Glück hatte das Flugzeug für unseren Anschlussflug Verspätung, so endete unsere Reise nicht schon in Frankfurt.

Wer nun denkt, schlimmer könne es nicht werden, der soll einmal gegen Mitternacht in Bergen als Charly ankommen. Da warten zwei Frauen, jung, aber gebrechlicher wie die alte Frau in Frankfurt, und reissen mich aus dem Sitz, so dass ich völlig quer zwischen Sitzreihe 3 und 2 halb am Boden liege und warte, bis noch jemand kommt, der mich mit rund 84 kg Lebendgewicht aus dem Flieger bringt. Charly fliegt und bezahlt Business, jedes Tier im Frachtraum wird besser behandelt.

Im Hotel wird dann aus Charly wieder Christoph und die Ferien können beginnen.

More to come. Stay tuned …

Ziehst du um?

Jede Person, die mir in den letzten Tagen einen Besuch abstattete, stellte die Frage im Titel. In der Tat kann man auf diese Idee kommen, sieht man den Berg, der – und hier kommt ein kleines Wortspiel – nach Bergen muss. Nein, nicht in die Berge. Es geht nach Bergen in Norwegen, von wo meine letzte noch offene Traumreise starten wird: mit dem Postschiff der Hurtigruten von Bergen nach Kirkenes und zurück nach Bergen.

Am 1. September werden Vera, meine Assistentin Petra und ich in Zürich in den Flieger richtig Norwegen steigen. Und dies nach einer mehrmonatigen Planung, damit es für mich und meine Begleitung möglichst angenehm ist. So reisen mit mir nicht nur mein Elektrorollstuhl, sondern auch ein Patientenlift und ein Duschrollstuhl mit. Und das erklärt nun auch den Riesenberg an Gepäck. Und nein, wir fahren nicht mit all dem Gepäck im Zug zum Flughafen. Praktischerweise gibt es einen Abholservice, der das Gepäck gleich auch eincheckt.

Die grosse Frage wird sein: klappt alles? Da müssen die fünf Gepäckstücke in Zürich auf den richtigen Flieger geladen, in Frankfurt auch wieder in den richtigen Flieger nach Bergen umgeladen werden. Klappt das? Und wird auch mein Elektrorollstuhl, der Schwede, den Umlad heil überstehen? Richtig ruhig werde ich erst am späten Montagabend sein, wenn ich im Bett liege, alle Personen gesund im Norden angekommen sind und alles Material vollständig und ohne Schaden mir zur Verfügung steht. Dann, ja erst dann, beginnt meine Reise vor der Küste Norwegens.

More to come. Stay tuned!

Kopenhagen vom Schiff aus

Um eine Stadt in möglichst kurzer Zeit zu entdecken und mit Informationen zu ihrer Geschichte und Kultur eingedeckt zu werden, gibt es zwei Möglichkeiten: Hop-on, hop-off im Bus oder in Städten mit Flüssen oder Kanälen eine Stadtrundfahrt per Schiff. Da Kopenhagen, ähnlich wie Amsterdam, mit Kanälen durchzogen ist, habe ich schnell entschieden. Eine Schifffahrt muss es sein. Leider sind die Schiffe für Rollstuhlfahrer wie Christoph nicht zugänglich. Sie liegen flach im Wasser, damit sie unter den niedrigen Brücken durchkommen, sind fest bestuhlt, so dass für einen Rollstuhl kein Zugang und kein Platz ist. Christoph hat eine solche Schiffsrundfahrt zum Glück schon vor zehn Jahren gemacht, als er noch ohne Rollstuhl unterwegs war. So ist mein schlechtes Gewissen beruhigt. Vor allem da Christoph den Plan verfolgt, den Crêpes-Stand von vor zehn Jahren zu suchen und sich eine seiner heiss geliebten Crêpes zu gönnen. Bananen-Nutella müsste es sein, genau so wie vor zehn Jahren. Ob er wohl fündig wird? Ich habe da so meine Zweifel!

Ich drängle mich durch die Menschenmassen im Nyhaven, stehe für mein Ticket an und steige schliesslich in das flache Schiff, von wo aus man das Wasser leicht berühren könnte. Pünktlich um 14.15 Uhr legt der Kapitän ab. Der Reiseführer warnt uns vor den niedrigen Brücken, die seien hart und würden unseren Köpfen nicht gut bekommen. Auch sollen wir nicht mit den Fingern die Decken der Brücken berühren. Diese seien sehr schmutzig und klebrig und die Brückenmauern seien immer stärker als unsere Finger … Schon fahren wir unter der ersten Brücke durch, instinktiv zieht man den Kopf ein, obschon ca. 20 cm Platz zwischen Brückenbogen und Kopf bleibt. Aber nach dieser Vorwarnung sind alle Passagiere vorsichtig.

Wir verlassen den Nyhaven und fahren in die Meeresbucht hinaus, vorbei an der modernen Oper. Sie hat ein flaches Dach, das ans KKL in Luzern erinnert. Von diesem Dach springen im Sommer waghalsige Jugendliche ins Meer. «Just for fun», wie der Führer erzählt. Wir fahren weiter raus, die früheren Kasernen der Königlichen Armee ziehen vorbei, weiter hinten sieht man einen hohen Kamin neben einem modernen, abgeschrägten Bau. Das sei die Abfallverbrennungsanlage, die gleichzeitig ein Freizeitzentrum fürs Fassadenklettern und fürs Skifahren während des ganzen Jahres sei. Erstaunlich, wie die Dänen es schaffen, das Nützliche mit dem Vergnügen zu verbinden.

Wir nähern uns dem anderen Ufer der Bucht und eine Menschenansammlung wird sichtbar. Was da wohl zu sehen ist? Wohin pilgern alle, die nach Kopenhagen kommen? Richtig, zu der kleinen Meerjungfrau. Klein wirkt sie wirklich, wie sie auf einem Felsen im Wasser unweit des Ufers sitzt. Gerade weit genug, damit sich nicht alle trauen zu ihr auf den Felsen zu klettern, sie aber doch fotografieren können. Eigentlich wollte ich diese Statue auch besuchen. Doch jetzt, da ich die Menschenmenge sehe, begnüge ich mich mit der berühmten Rückenansicht. Irgendwie tut mir diese Kunstwerk fast leid. Die kleine Meerjungfrau wurde 1921 erschaffen, Modell standen die Geschichte von Hans Christian Anderson und eine Balletttänzerin. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Jungfrau zweimal geköpft und ein Stück aus ihrem Arm entfernt. In der Stadt findet man Ansichtskarten mit ihr als Sujet vor kitschigen Sonnenuntergängen oder zwischen überdimensionierten Schwänen. Ich für mich verstehe nur zu gut, weshalb die kleine Meerjungfrau so betrübt und wehmütig ans Ufer mit den fotografierenden und betatschenden Touristen schaut.

Weiter geht die Fahrt an den königlichen Palästen vorbei, durch ein holländisches Quartier, das von den Holländern zur Zeit des Seehandels mit Indien erbaut wurde. Fährt man durch diesen Kanal, wähnt man sich einmal mehr in Amsterdam. Zum Schluss fährt unser Schiff vor dem riesigen Glasbau der Staatsbibliothek durch, sie sei europaweit die grösste Bibliothek. Dann ist da noch das alte Haus, in dem die Familien der königlichen Soldaten im Mittelalter gratis hochgradigen Alkohol beziehen konnten. Damit sollten die Familien, auch die Kinder, vor den Colibakterien und vor Cholera geschützt werden. Ob wohl deshalb der Alkohol in Dänemark heutzutage so teuer ist? Um dem übermässigen Desinfektionsbedürfnis entgegenzuwirken? Darüber hat uns der Führer nichts erzählt.

Die Fahrt endet wieder im berühmten Nyhaven. Den Nachmittag verbringen wir im «Holländischen Quartier», das durch grosszügige Promenaden, ruhige Strassen und architektonische Vielfalt besticht. Über eine der vielen Velobrücken gehen wir zurück zum Hotel, voll neuer Eindrücke und mit dem Wissen, dass Kopenhagen viel und noch viel mehr zu bieten hat.

More to come. Stay tuned!

Ich bin verärgert!!!

(Fortsetzung von «Heute wird nicht viel passieren»)

Das war der erste Satz in meiner E-Mail an unser Reisebüro in der Schweiz, die ich morgens um 2 Uhr in mein iPhone tippte. Ich brauchte klare Worte und stellte meine Forderung unmissverständlich. Ich wäre vermutlich nicht so hart in meiner Wortwahl gewesen, hätte ich nicht drei Wochen vor der Reise extra und ausdrücklich nochmals beim Reisebüro betreffend rollstuhlgerechten Unterkünften nachgefragt und bestätigt bekommen, dass die Vor-Ort-Agentur dies versicherte.

Am Morgen meldete sich das Schweizer Reisebüro und entschuldigte sich erstmal und stellte eine Lösung in Aussicht. Beim Frühstück haben Vera und ich dann von einem Hotelmanager erfahren, dass das ganze Hotel weder über Zimmer für Rollstuhlfahrer verfügte noch eine rollstuhlgängige Toilette hätte. Der nächste Anruf aus der Schweiz brachte mein Blut in Wallung, die Ferienstimmung auf den Nullpunkt und mein Kampfwillen in Höchstform. Ich soll mir ein Restaurant mit einer Rollstuhltoilette suchen, das Reisebüro würde gegen Quittung das Frühstück erstatten und sie hätten ein Hotel mit einem teilweise rollstuhlgerechten Zimmer. Die eigentlichen Rollstuhlzimmer seien leider alle besetzt, da gerade eine Gruppe Rollstuhlfahrer eingecheckt hätte.

Hä?!

Einmal mehr war ich froh um meine Schlagfertigkeit und meinen Durchsetzungswillen. Mich mit dieser Lösung abspeisen zu lassen, kam für mich nicht in Frage. Ich hatte schon von Anfang ab bei den Verhandlungen fürs Angebot davon gesprochen, der Preis spiele eine untergeordnete Rolle. Für mich als tetraplegischer Rollstuhlfahrer muss es machbar sein.

Wir hatten das Frühstück inzwischen durch und harrten der Dinge, die kommen sollten. Um 11.32 Uhr war es soweit, am Telefon wurde mir eine neue Unterkunft angegeben. Eineinhalb Stunden später waren wir dort und durften zufrieden zur Kenntnis nehmen, dass unsere Bedürfnisse nun erfüllt sind. Die Ferien konnten mit Verspätung beginnen.

More to come. Stay tuned!

On a rainy day in Vancouver

Unser letzter Tag in Vancouver. Der Vormittag kündet sich wolkenverhangen an. Für den Nachmittag sind starke Regenfälle vorhergesagt. Wir wollen Granville Island, ein Kultur- und Einkaufsviertel besuchen. Wenig Kultur, viel Einkauf.

Im Oktober letzten Jahres war nicht mehr viel los. Wir konnten damals nur unsere Nasen an den geschlossenen Türen platt drücken und versuchen, Einblicke zu erhaschen. Diesmal ist es offen, so dass wir Eindrücke gewinnen können. Die Einkaufshallen sind ordentlich gefüllt, aber man merkt gut, dass die Saison zu Ende geht. Nicht nur die Rabattschilder deuten darauf hin.

Das Wetter wird grusliger und wir sind froh, in die Markthallen eintauchen zu können. Während dem Trinken eines Kaffees lässt sich das Treiben beobachten. Hier eine Verkäuferin, die mangels Kundschaft gelangweilt im Internet surft, dort ein Stand mit frischen Salaten und Säften. Es sind Chinesinnen, die fleissig am Arbeiten sind. Kundschaft haben sie keine, aber sind dauernd beschäftigt. Schnell wird klar, warum sie so fleissig sind: Ein Etage höher ist ein als Mitarbeiterraum deklarierter Ort, von wo sie überwacht werden. Die „Überwacher“ wechseln sich fleissig ab. Während die chinesische Dame pünktlich wie eine Schweizer Uhr alle fünf Sekunden einen Kontrollblick über den Stand schweifen lässt, nehmen es die Herren nicht so genau. Einer zieht gleich sein Mittagsschläfchen ein.

Interessant ist auch das Beobachten der Marktbesucher. Die einen scheinen mit Freude dabei zu sein, andere wurden wohl mit mehr oder weniger Druck hierher gelotst. Gekauft wird nicht viel. Und wenn dann oft Lebensmittel, die sie schon kennen. Deutsche Touristen sind sofort erkennbar: ihre Blicke richten sie direkt auf Bier und Wurst.

Anyway, der Marktbesuch hat sich gelohnt. Erlebt haben wir viel und während des Marktbesuchs blieben wir trocken. Das änderte sich dann auf dem Weg zurück ins Hotel …

More to come – stay tuned!

Menschen

Drei Wochen reisen in zwei mir recht fremden Ländern bringt neue Eindrücke, spannende Erlebnisse und viele Begegnungen mit Menschen mit sich. Ich mag Menschen, begegne ihnen offen, beobachte sie sehr gerne. Normale Menschen wie du und ich gibt es auch in San Francisco oder Kanada zuhauf. Doch gibt es auch diejenigen, die durch ihr Äusseres oder durch ihr Verhalten auffallen. Wie schnell fällen wir doch Vorurteile? Auch ich ertappe mich immer wieder dabei. Wenn ich es bemerke, versuche ich jeweils hinter die jeweilige menschliche Fassade zu blicken, den Menschen als Mensch zu sehen und nicht als Unikum, Flegel, Tollpatsch oder was auch immer.

Auf unserer Reise sind wir ganz unterschiedlichen Menschen begegnet:

Da war der „rasende“ Assistent im Flughafen San Francisco, der durch ein Missverständnis zum Raser wurde, der dies aber so vollkommen machte trotz seiner offensichtlichen Körperbehinderung.

Im Rocky Mountaineer sass ein amerikanisches Paar vor uns. Sie schien interessiert und kommunizierte mit den Mitreisenden. Er verkroch sich buchstäblich unter einer Decke und verschlief so die Reise von Vancouver nach Whistler. Zum Essen tauchte er aus seinem „Zelt“ auf, danach verkroch er sich wieder. Uns als interessierte Reisende mutete dies sehr seltsam an und sein Verhalten belächelten wir. Doch was steckte dahinter? Wirklich Desinteresse? Machte er die Reise seiner Frau zuliebe? War er krank? Ich weiss es nicht. Doch denke ich, dass er seine Gründe gehabt haben wird.

In Quesnel wurden wir vorgewarnt, dass die Menschen sehr neugierig gegenüber Fremden seien. Der erste Taxifahrer war ein junger, griesgrämiger Typ, der in seinem Wagen sitzenblieb und sich, ausser dass er uns zum richtigen Hotel fuhr, überhaupt nicht um uns kümmerte. Ob er genug hatte vom ganzen Tag? Ob er einen mühsamen Abend zuhause vor Augen hatte oder eine Magenverstimmung? Wir liessen ihn mit einem Thank you und Bye ziehen.

Völlig gegensätzlich begegnete uns der Desk Manager des Hotels. Er wollte wissen, was für ein Schwergewicht (SwissTrac) er aus dem Bus gehievt hatte und wie diese Maschine funktioniere. Als ich ihn später nach einer Roll-in shower fragte, gab er mir ganz beflissen zur Antwort, keines der Hotels in der Stadt habe eine solche Dusche. Dafür war er sehr zuvorkommend, als ich ihn um einen Duschstuhl bat. Er führte mich in einen überstellten Keller, zeigte mir den riesigen, aber stabilen Stuhl und liess es sich nicht nehmen, mich in unser Zimmer zu begleiten und mir den Stuhl zu demonstrieren. Mit erhobenem Kinn und pfeifend verliess er dann unser Zimmer. Mit schwungvollem Gang, der irgendwie nicht ganz zu seiner Körperfülle passte. Ein Original, das seinen Job sehr ernst nimmt und sich uns gegenüber sehr hilfsbereit zeigte. Wir denken dank ihm gerne an unseren Aufenthalt in Quesnel zurück.

Wir sind durch Mr. Ed und dem SwissTrac unzähligen neugierigen, interessierten und herzlichen Menschen begegnet. Immer wieder wurde Christoph auf sein Gefährt angesprochen, viele haben einen behinderten Verwandten oder Bekannten oder fanden Christophs Duo einfach nur genial, super, grossartig…

Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft ist ein Kennzeichen der Kanadier. Überall, wo wir auftauchten, boten uns Menschen ihre Hilfe an. Wer mich beim Ausladen von SwissTrac und Mr. Ed beobachtete, war schnell zu Stelle und wollte helfen.

Kanada ist ein Land mit verschiedensten Kulturen und somit auch mit den verschiedensten Ausprägungen der Menschen. Durch die Immigration im 19. Jahrhundert, die mit dem Kanadischen Bahnbau einherging, fassten die asiatischen Kulturen hier stark Fuss. Somit begegneten uns sehr viele Asiaten, die sich durch ihr Handeln, ihre Kleider und ihr fehlenden iPhones mit Selfiestick deutlich von ihren Landsleuten, die als Touristen unterwegs sind, unterscheiden.

Wenn man reist wie wir, mit Flugzeug, Bahn und Auto, unterwegs in Hotels übernachtet, kommt mit man nicht um menschliche Kontakte herum.

Neben den vielen eindrücklichen Landschaften werden mir vor allem die Menschen von Kanada, ihre Geschichte, ihr Überlebenswille, ihr Humor, ihre Herzlichkeit und Freundlichkeit in Erinnerung bleiben. Sie machen ihr Land lebendig und tragen es im Herzen. Etwas davon werde ich mit grosser Dankbarkeit zurück in meinen Schweizer Alltag mitnehmen.

Revelstoke? – Revelstoke!

Revelstoke, ein Dorf mit 7500 Einwohnern, knapp zweieinhalb Stunden von Banff in westlicher Richtung und entfernt. Revelstoke, ein Zwischenhalt, weil wir das Fuder „Autofahren“ nicht überladen wollten. Vera hat beim Recherchieren herausgefunden, dass Revelstoke ein Eisenbahnmuseum und eine knapp 30 Kilometer entfernt liegende Ghost Town hat. Auch preist die Homepage von Revelstoke ihre Downtown und ihre Freizeitmöglichkeiten an. So beschliessen wir, zwei Nächte in Revelstoke zu verbringen. Und ja, dann sind wir nach einer interessanten und abwechslungsreichen Fahrt über Lake Louise in Revelstoke gelandet. Einem Dorf, das man links liegen lassen würde, hätte man nicht ein Hotel gebucht …

Okay, Downtown Revelstoke kann man vergessen, wie wir am nächsten Tag sehen. Aber das Eisenbahnmuseum hat es in sich. Was dort gezeigt wird, ist Eisenbahngeschichte. Als British Columbia, die westlichste Provinz Kanadas, 1871 in die Konföderation aufgenommen werden sollte, versprach man, sie an die Eisenbahnlinie nach Osten anzubinden. Die grosse Herausforderung waren jedoch die Rocky Mountains.

Einen grossen Platz wird den chinesischen Arbeitern gewidmet. Sie wurden in San Francisco „eingekauft“ und nach Kanada geholt, um durch sie die schweren Arbeiten und die gefährlichen Sprengungen mit Dynamit erledigen zu lassen. Ihr Verdienst war halb so hoch, wie der der europäischen Immigranten. In Zelten mussten sie übernachten, wurden wegen Mangelernährung krank. Es ist nicht überliefert, wie viele Menschenleben der Bahnbau über die Rocky Mountains gekostet hat.

Wie bequem die Damen und Herren von Welt (und mit Geld) in der ersten Hälfte des 19 Jahrhunderts reisten, lässt einen staunen. Der Personenverkehr ist auf der transkontinentalen Route aber nebensächlich. Mit vielen Geschichten angereichert gibt die Ausstellung ein wertvollen Einblick in die Eisenbahnwelt Kanadas.

Auch aber nicht einzig ist die Eisenbahn präsent in der Three Valley Gap Ghost Town. Hotel, Werkstätten, verschiedene Läden, Bank, Gefängnis, Wahrsagerwagen und ein Haus der leichten Mädchen: auch das ist Revelstoke. Viele der Objekte waren bis vor wenige Jahrzehnte noch in Betrieb. Während die Apotheke und die Schneiderei einem ein Lächeln entlockt, der Coiffeurladen alte Erinnerungen weckt ist man spätestens beim Blick in die Zahnarztpraxis froh, leben wir im 2019 und nicht 50 Jahre früher.

Revelstoke war mehr als ein notwendiger Zwischenstopp. Auf dem Weg von den Rocky Mountains zum Pazifik ist der Besuch ein Muss.

More to come – stay tuned!

Von Kamloops nach Harrison Hot Springs und Vancouver

Da wir von Kamloops auf unserer letzten Kanadareise nichts bekamen ausser den Weg vom Bahnhof zum Hotel und zurück, sehen wir uns in der Stadt noch etwas um. Wir beobachten wie viele kilometerlange Güterzüge über die verschiedenen Brücken in alle Himmelsrichtungen fahren. Kamloops ist seit dem 19. Jahrhundert eine Handelsstadt. Hier fliessen der North Thompson River und der South Thompson River zusammen, münden als einen Fluss in den Kamloops Lake. Es ist spannend zu sehen, wie wenig Touristen und Souvenirläden es hier gibt. Für uns ist es erholsam, den eigentlichen Bewohnern Kamloops zu begegnen. Neben den eiligen Geschäftsleuten gibt es viele ärmlich gekleidete Menschen und etwa ebenso viele gutbürgerliche Leute. Nach einer kurzen Tour durch die Stadt machen wir im Park am Fluss Mittagspause.

Danach gibt es einen Endspurt nach Harrison Hot Springs. Es ist der angesagte Ausflugs- und Erholungsort der Bewohner von Vancouver und Umgebung, da es nur 90 Minuten Autofahrzeit entfernt liegt. Auf der Suche nach einem Abendessen spazieren wir auf der Seepromenade, eine sehr schöne Anlage mit Sandstrand und einem Rundweg um die Lagune. Vom Ende des Sees grüssen die Berge herüber und die vielen Motels, Bungalows und Hotels lassen erahnen, was an warmen Tagen hier los ist.

Am nächsten Morgen beginnt unsere letzte Autofahrt, die uns nach Vancouver zurückbringt. Unser Ziel ist der Flughafen, wo wir das Auto zurückgeben müssen. Die Fahrt geht dem Fraser River entlang, durch Dörfer, die Mission und Maple Ridge heissen. Ein letztes Mal besuche ich einen Tim Hortens und besorge uns eine Stärkung für den zunehmenden Verkehr. Je näher wir der Stadt Vancouver kommen, desto breiter (wird der Highway (bis zu sechs Spuren), desto dichter der Schilder-Wald und desto verwirrlicher die Angaben des Navis. Sich verfahren hat aber auch Gutes an sich: wir können endlich die beiden Holzbretter, die uns so dienlich waren, bei einer Entsorgungsstelle zurücklassen, einen Washroom finden und Christoph, der Navigator kann sich neu orientieren. Wir sind alle erleichtert, als wir bei der Autovermietung ankommen. Ein Angestellter weist mich energisch ein und verlangt in kontrollierendem Ton den Mietvertrag. Ob es ihn stört, dass die Frau und nicht der Mann am Steuer sitzt? Als ich ihn später nett und extra etwas hilflos bitte, mir beim Ausladen des Swiss Tracs zu helfen, der ja 65 kg wiegt, wird er plötzlich nett und zuvorkommend, erklärt uns den Weg zum SkyTrain in die Stadt und verabschiedet sich freundlich. Nur nebenbei bemerkt: der kräftige Mann überliess beim Ausladen das Mehrgewicht mir ….

Wir sind alle froh und dankbar, wieder gesund und munter in Vancouver angekommen zu sein. Hier bleibt uns noch ein ganzer Tag, um uns von Kanada zu verabschieden, bevor wir am Freitag die Reise zurück in die Schweiz antreten.

Von Banff nach Revelstoke und Kamloops

Banff ist eine Kleinstadt, die am Rande der Rocky Mountains liegt. Durch ihre Lage nahe bei den Bergen und auf 1399 Metern über Meer, durch den sie umgebenden Banff National Park, die heissen Thermalquellen, Wasserfälle und zwei Seen in der Nähe, ist Banff ein beliebter Tourismusort geworden. Die Stadt hat für uns aber durchaus Charme: die Häuser aus der Viktorianischen Zeit, eine der ältesten Kirchen Kanadas aus dem 19. Jahrhundert, die schönen Parkanlagen und Uferwege dem Bow River entlang bieten eindrückliche Sehenswürdigkeiten, die einen die unzähligen Souveniershops und die vielen Touristen übersehen lassen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit haben wir ausfindig gemacht. Züge, Lokomotiven und Bahnhöfe haben viel Anziehungskraft auf Christoph. So ziehen wir nach unserem schon fast traditionellen Tim Hortens-Frühstück Richtung Bahnhof los. Hier im Bahnhofsinneren fühlt man sich gleich um die zwei Jahrhunderte in der Bahngeschichte zurückversetzt. Das Interieur, die alten Fotos an allen Wänden, die alten Werbeplakate, wir wähnen uns auf einer Zeitreise.

Am nächsten Tag brechen wir Richtung Revelstoke auf, einem Zwischenstopp, der mit einem Eisenbahnmuseum und der Ghost Town interessant zu werden verspricht.

Auf der langen Autofahrt kommen wir am Lake Louise vorbei. Er ist am Fuss eines Gletschers und von Bergen umgeben sehr schön gelegen, doch von Touristen und Gästen des monumentalen Fairmont Hotels überlaufen und lädt wenig zum Verweilen ein. Die bewaldeten Hügel des gegenüberliegenden Tales sind mit Schneisen der legendären Skipisten überzogen. Die Natur zahlt ihre Tribute an die modernen Bedürfnisse der Menschen und des Skisports.

Wir sind froh, wieder in Ruhe unterwegs zu sein, über den Trans Canada Highway 1 East, durch die etwas weniger hohen Berge und Hügel, Flüssen und Seen entlang bis wir gegen Abend in unserer nächsten Übernachtungsstadt Revelstoke ankommen.

Revelstoke ist eine kleine Stadt mit einer grossen Geschichte. Sie war im 19. Jahrhundert erst ein wichtiger Standort und Lagerplatz für die Trapper und ihren Fellhandel, später Versorgungsort für die Bergleute, die hier nach Edelsteinen suchten. Auch während der Bauzeit der Canadian Pacific Railway (1880-er Jahre) wuchs die Stadt und erlangte Bedeutung.

Nach dem Besuch im Railway Museum machen wir uns auf den Weg die Revelstokes Down Town zu entdecken. Eine Kirche aus der Pionierzeit, ein paar wenige Häuser im viktorianischen Stil, viele im kleinstädtischen Stil: schmal, zweistöckig mit Veranda, ein Sportplatz, das Gerichtsgebäude, das nachts beleuchtet wird und die Stadtverwaltung – that’s it!

Am nächsten Morgen geht die Fahrt Richtung Kamloops weiter. Unterwegs besuchen wir die Ghost Town, ein Freiluftmuseum. Die Stunden vergehen wie im Flug und nach einem späten Mittagessen um 16 Uhr fahren wir wieder los. Die Gegend verändert sich nun stark: die Berge werden zu Hügeln, die weiten Ebenen werden von Farmern bewirtschaftet, überall lesen wir Hinweise auf die Wine Route oder auf einzelne Winerys. Dazwischen sehen wir ab und zu den Fraser River, der hier zu einem sehr breiten Fluss angewachsen ist und als Transportweg für unzählige Tonnen Baumstämme dient.

In der Dämmerung erreichen wir Kamloops. Wir werden mit dem Besuch unserer letztjährigen Helferin hier in Kamloops (siehe Mr. Ed am Ende) überrascht und verbringen mit ihr zwei wunderschöne Stunden. Wir haben eine kanadische Freundin gewonnen.

Von Jasper nach Banff

Der neue Tag begrüsst uns mit blauem Himmel und warmen Sonnenstrahlen. Gänzlich andere Voraussetzungen als bei unserer letzten Fahrt durch die Rockies im letzten Oktober (Regen und Schneefall).

Nachdem der Swiss Trac problemlos über seine improvisierte Rampe ins Auto fährt, Mr. Ed und unsere Koffer im Auto verstaut sind, kann’s losgehen.

Zuerst fahren wir nach Jasper. Tim Hortens ist unser Gastgeber fürs Frühstück. Er ist bekannt für den besten Kaffee Kanadas, red rose Tee und feine heisse Schokolade, für verführerisches, sehr süsses kanadisches Gebäck: Cookies so gross wie Kaffeeteller, Donuts in allen Variationen: mit Honig, Butter, Zuckerguss; Croissants, Muffins, Zimtschnecken, Dänischer Plunder … Und frisch gepresster Orangensaft. Ich jongliere mit Tüten, randvollen Bechern und Saft zurück zum Auto, und wir schlemmen auf gutbürgerlich kanadische Art im Auto (so ersparen wir mir das erneute Ausladen von Mr. Ed und Christoph das für ihn aufwändige Transferieren).

Frisch gelabt und mit viel Zuckergeschmack im Mund starten wir Richtung Banff. Unsere Fahrt ist einmal mehr unvergleichlich schön. Die felsigen Kolosse ziehen an uns vorüber, die markanten schiefergrauen Felswände werden von der Sonne beleuchtet und erheben sich majestätisch vor dem blauen Himmel. Zu ihren Füssen die unendlichen Fichtenwälder, dazwischen die eisblauen oder grünlichen Flüsse … Schwierig, diese Naturschönheiten zu beschreiben!

Wir gewinnen unermüdlich an Höhe. Deutlich sieht man bis in welche Klimazonen sich der Beetle, der Holzwurm, wohlfühlt. Die Bäume sind ab 1200 Höhenmetern durchgehend grün. Es wird kühler und kühler. In Jasper zeigte das Aussenthermometer 22 Grad an, nun auf 1900 Metern gerade noch 10. Wir fahren am berühmten Columbia Icefield vorbei. Es war einst ein eindrücklich grosses Eisfeld, das aus acht einzelnen Gletscher besteht. Mit Erschrecken sehen wir, um wie viele hundert Meter und um wie viel Masse diese in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen sind. Die verbleibenden Eisfelder grenzen an die Felslandschaften, wovon sie sich zurückgezogen haben.

Die Strasse folgt der Berg- und Tallandschaft, mal sehen wir, wie sich die Strasse in der Weite eines Tales verliert, manchmal sind wir einfach nur neugierig, was wir hinter der nächsten Kurve antreffen werden. Auch hier wechseln die Landschaftsbilder immer wieder.

Unsere nächste Station ist der Peyto Lake. Vom Parkplatz führt ein steiler Weg hinunter auf eine kleine Aussichtsplattform. Während dem ich neben Mr. Ed und Christoph hergehe, übrigens benimmt sich Mr. Ed hochanständig und hält sich an die Tempolimite, die ihm Christoph vorgibt, frage ich mich, ob ich es schaffen werde, die beiden wieder diesen Berg hinauf zu schieben. Meine Gedanken werden von der genialen Aussicht unterbrochen. Vor uns in der Tiefe liegt der Peyto Lake, ein Gletschersee der zwischen hohen Bergen eingeschlossen da liegt. Das Besondere ist seine Farbe: petrolblau-grün-türkis-blau trifft es nicht annähernd. Die Berge und Wolken spiegeln sich in ihm, was noch mehr Farbnuancen hervorzaubert. Dahinter sieht man den Gletscher, der den See speist. Auch dieser scheint sich stark zurückgezogen zu haben. Am Ende des Sees verlieren sich die Bergketten in der Ferne. Da fühle ich mich einmal mehr auf dieser Reise als kleines unbedeutendes Salzkorn und Teilchen der grandiosen Schöpfung.

Eine sehr nette und unvergessliche Bekanntschaft mache ich auf der Plattform. Ein Chipmunk turnt auf einer Sitzbank herum und kümmert sich herzlich wenig um die Touristen. Ich knie etwas entfernt auf dem Boden, beobachte und fotografiere das herzige Tierchen. Plötzlich springt das Chipmunk von der Bank und trippelt in meine Richtung. Es kommt näher, zögert kurz, kommt noch näher. Hoffentlich schlüpft es mir nicht unter meinen Rock, einer meiner Gedanken. Da bleibt es stehen und beginnt an den Brosamen neben mir auf dem Boden zu knabbern. Ich halte mich ganz still und sehe dem Wicht bei seiner Mahlzeit in ca. 15 cm Entfernung zu. Als eine Horde Touristen kommt, huscht mein kleiner Freund ins nächste Gebüsch.

Der Mond steht schon über den Bergen, als wir nach Banff aufbrechen. Ach ja, das Stossen den Berg hinauf wird mir von einem charmanten, starken jungen Mann abgenommen, der locker joggend Mr. Ed samt Christoph zurück auf den Parkplatz bringt. So sind die Kanadier: hilfsbereit und herzlich.

Rocky Mountaineer rocks!

Reisen im Rocky Mountaineer und mit dem Team ist ein grossartiges Erlebnis. Nochmals mit ihnen unterwegs zu sein, die absolut richtige Entscheidung. Die Zugsreise ist aus landschaftlicher, abwechslungsreicher und kulinarischer Sicht mehr als nur empfehlenswert. Die Fahrt mit dem Rocky Mountaineer ist nicht günstig, aber jeden CA$ (Canadian Dollar) wert. Was aber die guys leisten, dass auch ein stark eingeschränkter Rollstuhlfahrer zu einem einmaligen Erlebnis kommt, verdient meinen Respekt und meine grosse Dankbarkeit.

Die Reise mit dem Rocky Mountaineer habe ich ab Bahnstation Vancouver bis Bahnhof Jasper gebucht. Also ohne Übernachtung in Vancouver und Jasper (gegen Aufpreis möglich) und ohne Transfers von respektive zur Unterkunft. Trotzdem organisierten sie den Transfer in Vancouver in einem rollstuhlgängigen Van und in Jasper im Sightseeingbus mit Rollstuhllift.

Der Verlad in den Zug erfolgt mittels Hebebühne und mit dem Rollstuhl kann direkt neben den Sitz gefahren werden. Die Plätze sind zuhinterst im Waggon, nahe einer rollstuhlgängigen Toilette. Das Personal ist sehr aufmerksam und hilft, wo auch immer Hilfe benötigt wird. Sie tun alles für eine sorgenfreie Reise.

In Whistler stand das Taxi bereit. Während bei der Ankunft ein normales Taxi eingesetzt wurde, wartete am nächsten Morgen ein rollstuhlgängiges Fahrzeug vor dem Hotel. Die Unterkunft war ein Upgrade in die besser Klasse (Golden Leaf) ohne Zusatzkosten und durchgehend rollstuhlzugänglich (inklusive Dusche – genannt roll-in shower).

Das Hotel in Quesnel stellte sich als grosse, aber meisterbare Herausforderung heraus. Das Zimmer war gut zugänglich, das Bett auch. Dieses war aber mit einer geschätzten Breite von 140 cm für zwei Personen extrem schmal. Das Badezimmer war ebenfalls mit den Rollstuhl gut erreichbar. Für das Duschen in einer tiefen Badewanne stand ein guter Duschstuhl mit Transferfläche zur Verfügung, was die Nacht im engen Bett schnell vergessen liess. Das Personal war sehr bemüht um unser Wohlergehen und versicherte auf unsere Nachfrage, dass es in ganz Quesnel kein Hotelzimmer mit einer rollstuhlgängigen Dusche gäbe.

Verschlossene Kirchen

Es begann in San Francisco. Ich wollte mir eine amerikanische Kirche von innen anschauen. Leider war ich etwas zu spät dran: die Eingangstüre war verschlossen, daran hing ein Zettel mit den Öffnungszeiten: 9am to 5pm. 

Ich versuche es erneut in Banff. Natürlich mit dem Wissen, dass ich die Chance, eine amerikanische Kirche zu besuchen, verpasst habe. Doch kanadische Gotteshäuser können auch spannend sein (siehe „Versteckte Kirchen“). In Banff kommt man in der Down Town öfters an einer Kirche vorbei. An jeder ihrer Pforten ist die Zugehörigkeit der Kirche vermerkt und überall steht in grossen Lettern WELCOME! Ich wittere bei jeder Kirche die Chance, in ihr Inneres zu gelangen und bin insgeheim gespannt, welche kirchliche Glaubensgemeinschaft ihr Willkommensgruss bis ins Türschloss fliessen lässt. Leider werde ich enttäuscht, allesamt sind sie verschlossen und werden offenbar nur sonntags für den Gottesdienst geöffnet.

Vielleicht ist es ja in einem kleineren Ort, der mehr auf dem Land liegt und weniger von Touristen frequentiert wird, besser. In Revelstoke entdecke ich zwei Kirchen. Sie sind ganz anders gebaut als die bisher gesehenen. Eine sieht einem normalen Haus von hier sehr ähnlich. Also fasse ich neuen Mut und mache mich auf zur Tür … Verschlossen! Nur ein Zettel an der Tür weist darauf hin, dass wer einen kirchlichen Dienst braucht, sich ans Church Office wenden könne.

Nein, ich gebe noch nicht auf! In den nächsten Tagen werden sich noch weitere Möglichkeiten anbieten. Ob ich erfolgreicher sein werde? We will see !

Jasper und Maligne Lake (Teil 2)

An unserem zweiten Tag in Jasper stehen praktische Erledigungen an: Einkaufen im Homecenter und Waschen. Das tönt im ersten Moment langweilig, entpuppt sich aber auch in einem für mich zwar nicht mehr ganz so fremden Land als kleines Abenteuer.

Zuerst fahren wir zum Homecenter. Wir brauchen zwei Holzbretter, gut 10 cm breit und ca. zwei Meter lang, die wir zur Rampe für den Swiss Trac umfunktionieren wollen. Im Center stehen viele Regale vollgestopft mit allem, was man fürs Handwerken und Bauen braucht. Dazwischen steht Kinderspielzeug und ein Ständer voller Flipflops, Tierzubehör und in eine Ecke gedrängt der Verkaufstresen. Holz finden wir hier jedoch keines. Also geht’s wieder raus zu den Holzstapeln vor dem Geschäft. Hier kommt uns ein fröhlicher Mitarbeiter entgegen und fragt nach unseren Wünschen. Er überlegt, kratzt sich am Kopf und nickt plötzlich. Schon stehen wir vor einem Stapel mit den für uns perfekten Brettern. Wir werden vom Mitarbeiter zurück in den Laden zur Kasse begleitet. Ein anderer kommt mit uns zum Auto, um unser Vorhaben zu begutachten. Er stellt ein paar Fragen und gibt grünes Licht: die Bretter werden halten und brauchen keine Befestigung. Super, ein Problem gelöst! Testen werden wir später.

Nun geht’s auf zur Laundry. Hier in Jasper wird Wäsche waschen zum Social Event. Zwei Treppen führen ins Untergeschoss eines Hauses. Davor sitzen auf Stühlen Leute mit Kaffee-Bechern und warten offenbar auf ihre Wäsche. Drinnen, gleich links ist eine Bar, wo Kaffee, Kuchen und sonstige Schleckereien gekauft werden können. Daneben drei Doppelreihen mit je 14 Waschmaschinen mit verschiedenen Trommelgrössen: normal, X-Large und super Large. An der Wand rechts stehen 32 Tumbler in einer doppelstöckigen Reihe. Eine Wäsche dauert 30 Min., gerade Zeit genug, um gemütlich einen Kaffee zu trinken oder in der Internet-Ecke zu surfen. Vor der hinteren linken Wand wurde eine Lounge eingerichtet, wo Männer zu einem Schwatz beisammen sitzen. Die Rückwand der Laundry ist mit Washrooms inklusive Duschen ausgestattet.

Ich wasche hier unsere Wäsche und werde Teil einer durchmischten Gruppe von Menschen: Ehepaare, die vermutlich im Wohnmobil unterwegs sind, Biker, die auch die Dusche benützen, Einheimische, die wohl keine eigene Waschmaschine haben, Familien, die mit Koffern daher kommen, Hiker, die an ihren erdigen Wanderschuhen erkennbar sind. Jeder hat sein Bündel schmutziger Wäsche dabei, wäscht, trocknet, faltet zusammen und geht zufrieden wieder seines Weges. 

Da Mr. Ed mit Christoph keinen Zugang hat, nutzen wir die halbe Stunde, um die Läden der Stadt zu erkunden. Ein Abstecher zu Tim Hortens folgt, während die Wäsche im Tumbler getrocknet wird. Hier kommt Christoph zum besten Kaffee Kanadas und ich zu einer feinen Hot Chocolate. So lässt es sich doch angenehm und gemütlich Wäsche erledigen.

Am Nachmittag machen wir uns mit dem Auto auf den Weg zum Maligne Lake. Meine erste längere Fahrt auf kanadischen Strassen! Da ich eine geübte und an Langstrecken gewohnte Autofahrerin bin, machte mir dieses Vorhaben im Voraus keine Sorgen. Mein erster Eindruck der Autofahrer in Jasper ist ein sehr angenehmer. Alle sind in gemächlichen Tempo und rücksichtsvoll unterwegs. Ausserhalb sind die Strassen breit und mit einem durchgehenden Seitenstreifen versehen, auf dem man jederzeit anhalten kann, sei dies um einen Bären zu beobachten oder die tolle Sicht auf die Rockies zu fotografieren.

Der Himmel ist ausnahmsweise einmal grau, zwischendurch fallen ein paar Tropfen. Wir geniessen trotzdem die Fahrt durch die felsigen Bergkolosse und bestaunen einmal mehr die Wälder und eisig blauen Flüsse.

Maligne Lake ist ein kalte Bergsee, der aus einem Gletscher gespiesen wird. In ihm leben Forellen und andere in der Kälte heimische Fische, die offenbar bei Fischern beliebt sind. Mehrere Fischerkanus sind auf dem See unterwegs. Die Kulisse ist einmal mehr beeindruckend schön, trotzdem sie sich heute in Grautönen zeigt.

Ein Tag voller Erlebnisse und mit vielen Eindrücken geht zu Ende. Morgen machen wir uns auf den Weg Richtung Banff. Auch das wird ein Wiedersehen geben, diesmal mit den Rocky Mountains.

Pleiten, Pech und andere Mistgeschichten

Während die letzte Reise im Oktober 2018 teilweise dramatische Züge annahm, verläuft der diesjährige Trip ohne grosse Aufregungen und unplanmässige Änderungen. Also einfach so, wie man sich ein Nordamerika-Trip vorstellt. Um nun aber nicht nur die Reise zu beschreiben, sondern auch mehr oder weniger Lustiges erzählen zu können, bekommen kleine Alltagsvorfälle eine grössere Bedeutung.

Eine solche spielte sich am dritten Tag in San Francisco ab, als ich auf dem Duschstuhl sass und mich duschen wollte. Ich drehte an den Armaturen, wie ich es schon die zwei vorhergehenden Tage und schon so viele Male in den halben USA getan hatte. Aber diesmal wollte kein Tropfen die Brause verlassen. Ich drehte und hebelte, blieb aber vorsichtig. Amerikanische Installationen sind bei weitem nicht so stabil, wie wir es bei uns kennen. Als sich der Wasserlauf nach wie vor nicht starten liess, blieb mir nichts anderes übrig als der Deskmanagerin mein Problem zu erklären. Sie wiederum versuchte mir zu erklären, wie die Armaturen zu bedienen seien. Ich aber war schon genervt, dass ich viel körperliche Energie verschwenden musste. Und wir waren ja in Trumps Land mit „alternativen Fakten“. Es kam dann wenig später ein gut gelaunter Haustechniker, kaute seinen Kaugummi, drehte und zog an den zwei Reglern und das Wasser lief. Und das Wasser im Ablauf schwemmte meine „alternativen Fakten“ fort …

Der zweite Alltagsvorfall passierte in Jasper in einer Luxuslodge, wo Golfer, mehr oder weniger Reiche, solche die gerne mit ihren Taten prahlen, junge reiche asiatische Unternehmer und auch ein paar Verirrte, wie wir übernachten. Für eine Nacht in einem zweckmässigen aber einfachen Zimmer muss man einen knappen vierstelligen Betrag aufwerfen. Der Preis verschlägt einem fast die Sprache. Sprachlos ist man aber wegen der einmaligen Aussicht aus dem Fenster. Und so verdrängt man den Gedanken, dass man sich solche Nächtigungsstätten eigentlich nicht leisten sollte.

Also hier spielt die Musik des zweiten Stücks in respektieve unter der Dusche. Nach der schönen aber anstrengenden Zugsfahrt gönnten wir uns ein Ausschlafen und so waren wir schon in der zweiten Hälfte des Vormittags. Ich also unter der Dusche, Wasserhahn und Temperaturregler voll am Anschlag, freudig gespannt auf angenehm warmes Wasser. Aber das Wasser, das aus der Brause kam, hatte nur Körpertemperatur. Nach einem entspannten Duschen sah es nicht aus. Aber man ist ja hart im Nehmen und mit sich selbst. Augen zu und durch. Schliesslich wartete draussen angenehmstes Sommerwetter.

Der nächste Tag. Gleicher Ort, gleiche Situation. Aber das Wasser noch eine Spur kühler. Unangenehm. Es kann doch nicht sein, dass es in diesem Resort nur lauwarmes Wasser gibt. Gab es auch nicht! Wenn man die Armaturen richtig bedient, dann klappt es auch …

Die dritte Episode war in Whistler, Zwischenstation auf der Rocky Mountaineer Tour, wieder in einem sehr guten Hotel (gleiche Hotelkette wie in Jasper – Fairmont). Diesmal begann das Problem nicht erst im Bad, sondern schon vor der Zimmertür. Sie klemmte. Von aussen ins Zimmer ging mit einigem Kraftaufwand. Zweimal von innen öffnen ging auch. Aber am Morgen vor der Weiterreise war es das dann. Sie liess uns um 6.15 Uhr nicht mehr raus. Also Concierge anrufen, mitteilen, dass wir die Zimmertür nicht öffnen könnten, warten und dann durch die geschlossene Tür erklären, was eben nicht ging. Das Problem war für uns dann schnell gelöst …

Die Mistgeschichte war in San Francisco und ist schnell erzählt: Am Pier 37 flog eine grosse Möve. Shit happens! Mal bist du die Taube, mal das Denkmal …

More to come – stay tuned!

Von Quesnel nach Jasper

Quesnel ist mit 10’000 Einwohnern ein für kanadische Verhältnisse kleiner Ort. Die Leute leben und arbeiten hier. Sie reisen kaum und verlassen ihren Wohnort auch sonst sehr selten. Darum, so informieren uns die Hosts, sei es für sie immer eine kleine Sensation, wenn der Rocky Mountaineer bei ihnen Halt mache. Wir würden ganz sicher von allen, denen wir begegnen danach gefragt, woher wir kämen. 

Wir werden vom halben Dorf empfangen, mehrere Oldtimers aus den 1930er Jahre stehen in einer Reihe am Bahnhof und alle winken uns zur Begrüssung begeistert zu. Christoph und ich werden mit einem Taxi zum Hotel gefahren, Mr. Ed reist uns im Bus mit den übrigen Passagieren hinterher. Der Taxifahrer ist ein junger Typ, der lieber mit seinem Funkpartner als mit uns spricht und zum Schluss ein knappes Thank you über die Lippen bringt. Er ist wohl eher am Geld oder Feierabend als an uns interessiert.

Umso herzlicher werden wir vom Desk Manager im Hotel begrüsst. Er scheint noch etwas ausser Atem und deutet auf den Swiss Trac. Der sei ja schön schwer (stimmt, 65 kg), und für was der denn sei. Christoph demonstriert mit Mr. Ed und die Augen des sehr rundlichen Desk Managers werden gross und grösser. Er ist sehr hilfsbereit und erfüllt uns jeden Sonderwunsch bezüglich Badezimmer-Ausstattung. 

Leider haben wir zu wenig Zeit, um uns den Ort genauer anzusehen. Quesnel war früher ein strategisch wichtiger Ort. Hier fliesst der Fluss Quesnel in den Fraser River, was besonders zur Gold Rush-Zeit eine grosse Bedeutung hatte. Quesnel war bis in die 1940er Jahre ein wichtiger Handelsort für Gold. Danach folgte die Land- und Waldwirtschaft. Mit der Erschliessung durch die Pacific Great Eastern Railway 1921 bekam Quesnel die Anbindung an das kanadische Eisenbahnnetz. Heute hat die Stadt Schulen, vier Spitäler, ein Theater und sogar einen Flughafen.

Die Reise geht am nächsten Morgen um 7.15 weiter. Wieder fahren wir durch unendliche Wälder, ab und zu wird der Fraser River sichtbar und fast jedes Mal in einer anderen Farbe. Je nach Art der mitgeführten Sedimente ist der Fluss blau, grün oder braun. Wir fahren Seen entlang, durch Täler, die sich uns mit unterschiedlichen Vegetationen zeigen: Steppen ähnlich, Wiesen mit Kühen, Pferden oder Schafen, fein duftende Heuwiesen, Moorlandschaften. Es gibt immer etwas Neues und Andersartiges zu entdecken. Und plötzlich sehen wir am Horizont die ersten Bergspitzen der Rocky Mountains. Es dauert aber noch Stunden, bis wir ihre volle Grösse und Masse vor uns haben. Der höchste Berg der Rockies, Mount Robson, zeigt sich uns mit seinem Gipfel mit ewigem Schnee in voller Grösse vor strahlend blauem Himmel. Eine Seltenheit, wie uns schon im letzten Herbst beschieden wurde. Scheinbar ist er uns milde gestimmt, zweimal besuchen wir ihn und zweimal sehen wir ihn in seiner ganzen mächtigen Pracht.

Das weite Tal wird nun von Bergen eingesäumt. Verschiedenste Formen und Farbmuster wechseln sich ab. Der Fraser River mündet in einen grossen, grünen See. Das ist sein Ursprungsort, wir sind an seiner Quelle angelangt. 

Die Berge rücken näher zusammen. An ihren Hängen wachsen die schier endlosen Kiefernwälder. Sie sind zweifarbig: grün und rostbraun. Wir fragen uns woher das kommt. Zuwenig Wasser, herbstliche Verfärbung? Die Hosts klären uns auf: durch die wärmeren Sommer in Teilen der Rockies konnten sich die Beetles, die Borkenkäfer, stark vermehren. Sie legen ihre Eier in den Wurzeln der Kiefern ab und wenn keine kalten Winter die Eier vernichten, schlüpfen die Larven und fressen den Baumstamm von innen bis er ausgehöhlt ist. Es dauert ca. ein Jahr bis der Baum hohl, dürr und braun ist. Schliesslich fällt der Baum um und die Borkenkäfer ziehen weiter. Die Kanadier versuchen nun ihre Wälder zu retten. Einerseits besprühen sie die riesigen Waldflächen mit einem Mittel gegen die Schädlinge, sie räumen die dürren Bäume aus den Wäldern oder roden ganze Waldstücke mit Feuer. Das Feuer vernichtet die Borkenkäfer und gibt dem Boden und dem Wald eine gute Voraussetzung sich zu regenerieren. Aus diesem Grund begegnen wir ab und zu riesigen Flächen verkohlter Bäume.

Ja, und dann heisst es langsam Abschied nehmen. Wir werden noch mit einem Lunch verwöhnt, stossen alle nochmals gemeinsam an und fahren schliesslich unter Applaudieren im Bahnhof Jasper ein.

Drei Tage voller Eindrücke, unendlich viele unterschiedliche Landschaftsbildern und viele spannenden Geschichten aus der Goldgräberzeit begleiten uns, als wir mit grosser Dankbarkeit das letzte Mal aus dem Rocky Moutaineer steigen.

Mr. Ed oder die Tücken des Unterwegsseins mit Rollstuhl und Swiss-Trac (I)

Fluggesellschaften rechnen mit durchschnittlich 110 kg Gewicht pro Passagier. Also 80 kg Lebendgewicht und 30 kg Gepäck inklusive Handgepäck. Mit meinem Gewicht und dem Gepäck bin ich unter diesem theoretischen Limit. Aber da sind noch Mr. Ed mit 35 kg und der Swiss-Trac mit 65 kg. Mein Gesamtgewicht liegt folglich bei 210 kg.

Das Gewicht ist die eine Seite, die Dimensionen die andere. Auf der abenteuerlichen Kanada-Reise im Herbst letzten Jahres haben wir gelernt, dass die Vans vom Platz her gerade reichen für den Transport von Mr. Ed (der etwas länger ist als ein durchschnittlicher Rollstuhl) mit mir drin sitzend und dem quergestellten Swiss-Trac. In vielen Städten Kanadas sind die Vans innerhalb von 20 Minuten vor Ort.

Auch am Flughafen von San Francisco war das so, darum machte ich mir nicht weiter Gedanken zum Transport vom Hotel zum Flughafen. Am Vorabend unserer Weiterreise bat ich den Concierge, mir einen Rollstuhl-Van zu organisieren. Seine ersten Telefonanrufe bei den grossen Taxigesellschaften führten aber nicht zum Ergebnis eines gesicherten Transports. Er bat uns, am nächsten Tag um acht Uhr mit der Tagesconcierge zu schauen. Das führte nun nicht gerade zu einer freudigen Stimmung. Die Fahrzeit ist von unserem Hotel zum Flughafen SFO 45 Minuten. Der Check-in dauert mit den batteriebetriebenen Hilfsmitteln eh immer viel länger und die Personenkontrollen sind auch aufwendiger, da ich für diese nicht mehr aufstehen kann. Unser Flug ist für 13 Uhr geplant, so dass wir uns um 10 Uhr auf den Weg machen sollten.

Um halb neun Uhr bekamen wir Nachricht, dass ein privates Behindertentaxi verfügbar sei, aber erst um 10.30 Uhr. Mangels Alternativen entscheiden wir uns für diese und hofften, wir erreichten den Flughafen genug früh, damit wir uns nicht zu sehr beeilen müssten. Trotz langer Zollkontrolle (Sprengstoffspuren) erreichten wir unser Flugzeug noch rechtzeitig und zwei Stunden später landeten wir in Vancouver. Den Transfer vom Flughafen zum Hotel liess sich gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichen. Kannten wir bereits vom Oktober 2018.

Wie es uns von Vancouver nach Jasper ergangen ist, folgt in einem späteren Bericht.

More to come – stay tuned!

Von Whistler nach Quesnel

Der Wecker klingelt um 4.30 Uhr. Reichlich früh! Doch wir stehen freudig auf. Ein spannender, schöner und ereignisreicher Tag erwartet uns, dessen sind wir sicher.

Um 7.15 Uhr ziehen die beiden Loks an, und wir bekommen als erstes das Frühstück serviert. Ja, richtig, im Rocky Mountaineer wird man nicht nur visuell mit Landschaften verwöhnt, sondern auch gustatorisch mit feinen Menüs, die von der Bordköchin in einer winzigen Kombüse hergerichtet und von den Hosts serviert werden.

Der Zug fährt auf den Spuren der Goldgräber dem Fraser River entlang. Simon Fraser war einer der ersten Goldgräber, der als 16-Jähriger nach Kanada kam (siehe Beitrag vom Oktober 2018 „Von Vancouver nach Kamloops“). Auf der ganzen Strecke finden sich immer noch Spuren von ihm: er hat Städte gegründet, Flüsse benannt, Täler entdeckt. Er hatte eine starke Vorreiterrolle für alle die vielen Goldgräber nach ihm.

Die Strecke überbietet sich selbst mit abwechslungsreichen und gegensätzlichen Landschaften: zuerst sehen wir den Fraser River als Bach, der sich durch Canyons windet, dann folgen wir ihm an mehreren intensiv grünen Seen entlang. Es folgen immense Sägewerke mit Stapeln von Holzstämmen, die bewässert werden, um sie vor einem Brand zu schützen. Oder die zugeschnittenen Bretter werden in Folie gepackt und sind bereit für den Verlad in die Container. Sie werden auf Güterzüge, später auf Schiffe verfrachtet und reisen so in die ganze Welt. Auf einer Zugangsstrasse zu einem der Werke sehen wir plötzlich einen Schwarzbären traben. Unser erster Bär auf dieser Reise!

Danach verschwindet der Fraser River für lange Zeit. Der Zug kämpft sich bergauf. Wir erreichen eine karge, trockene Berglandschaft mit Felsklüften, trockenen Stauden, die an Ginster erinnern, gelben Blumen, die ähnlich ausschauen wie der gelbe Bergenzian bei uns im Jura. Wir sehen hier eine Art Erdhäuser, die den Goldgräbern als Unterkunft dienten. Sie haben einen Innenraum, wurden mit Erde überdacht und die Eingänge wurden mit dürren Ästen gekennzeichnet. Nur so sind sie in der Landschaft erkennbar.

Der Fraser River taucht wieder auf. Er hat an Breite gewonnen und seine Farbe hat sich von grün in braun verwandelt. Am Ufer werden behelfsmässige Unterstände aus Stöcken und farbigen Blachen sichtbar. Sie gehören den Indigenen dieser Gegend. Die First Nations, wie sie in Kanada genannt werden, haben die Bewilligung, hier Lachse zu fangen. Sie betreiben den Fischfang nach alter Tradition und mit gebührendem Respekt der Natur gegenüber. Das heisst, sie fischen nur soviel, wie sie für den Eigenbedarf brauchen. Es ist ihnen untersagt, mit den Lachsen zu handeln oder sie zu verkaufen. Ihre Fangstellen wählen sie geschickt aus. Sie fischen bei den Stromschnellen oder den Fischtreppen, die für die Lachse gebaut wurden. Wenn die Lachse springen müssen, haben die Fischer ein leichtes Spiel.

Je weiter bergabwärts der Zug fährt desto grüner wird die Landschaft und desto breiter der Fraser River. Wir fahren durch weite, wirklich weite Ebenen, sehen vom Waldbrand betroffene schwarze Baumhaine, die aber schon wieder von grünem Boden und gelben Blumen umgeben sind. Der natürliche Waldbrand wird hier auch als Boden- und Kulturerneuerer geschätzt und oft nicht gebannt.

Die Wälder werden dichter, der Fluss drängt sich wieder durch Schluchten, wird breiter und breiter, die Landschaft weiter bis wir beim Einachten in den Bahnhof von Quesnel einfahren.